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Baierbrunn:Glimpflich davongekommen

Gemeinde verzeichnet weniger Steuerausfälle als gedacht

Von Michael Morosow, Baierbrunn

Während in anderen Rathäusern im Landkreis München in Zeiten von Corona der Rotstift wieder aus den Schubladen hervorgeholt wird, kann Vanessa Schlesies, Leiterin der Baierbrunner Finanzabteilung, ein wenig entspannter in die Zukunft blicken, zumindest was die Einnahmen durch die Gewerbesteuer anbelangt. Bürgermeister Patrick Ott von der Überparteilichen Wählergruppe (ÜWG) berichtete in der jüngsten Gemeinderatssitzung von einer leicht positiven Entwicklung dieser Einnahmequelle während der vergangenen sechs Wochen.

Musste der Gemeinderat Anfang Juni noch davon ausgehen, dass die Gewerbesteuer heuer um 802 000 Euro unter dem Ansatz von 4,8 Millionen Euro bleiben wird, hat sich die Situation inzwischen deutlich verbessert. Stand 15. Juli beträgt das Minus nur noch 334 000 Euro. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne man zuversichtlich sein, in diesem Jahr keine großen finanziellen Probleme zu bekommen, sagte Rathauschef Ott am Freitag zur SZ.

Die Verbesserung um annähernd eine halbe Million Euro sind laut Sitzungsvorlage zwar einem "On-Time-Effect" durch einen einzigen Steuerzahler aus dem Ort geschuldet, weshalb von einer Entwicklungswende keine Rede sein könne. "Wir spüren aber noch keinen Einbruch", sagt Ott. Zwar hätten einige wenige Unternehmer aus der Gemeinde um eine Stundung ihrer Vorauszahlungen gebeten, "bei anderen Unternehmen im Ort geht es aber nach oben, uns geht's nicht nass rein", berichtete der Bürgermeister. Dennoch: Die Finanzverwaltung geht zwar davon aus, dass sich die Steuereinnahmen in den Folgejahren wieder gänzlich stabilisieren werden, rechnet aber auch für 2021 mit geringeren Gewerbesteuereinnahmen, als bei der Finanzplanung angenommen wurde.

Nunmehr nimmt die Gemeinde voraussichtlich 3500 Euro für die Beauftragung eines Steuerberatungsunternehmen in die Hand, um einen Überblick über die durch die Corona-Krise verursachten Auswirkungen auf den Haushalt für die nächsten drei Jahre zu erhalten. Das Unternehmen hatte der Gemeinde eine Excel-gestützte Tabelle für die kommenden Haushalte angeboten und wird nun in Zusammenarbeit mit der Baierbrunner Finanzverwaltung eine Modellrechnung erstellen. Wie zuvor der Finanzausschuss einigte sich jetzt auch der Gemeinderat einstimmig darauf.

© SZ vom 08.08.2020

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