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Baierbrunn:Abschied von den Iglus

Gemeinde stellt auf neues Papiersammelsystem um

Von Udo Watter, Baierbrunn

Anders als "Eskimo" ist "Iglu" ein Begriff, der auch in der achtsamen Welt der politisch korrekten Sprache noch ohne Bedenken verwendet werden darf. In seiner Eigenschaft als Depotcontainer für Papiermüll steht er in Baierbrunn allerdings nicht mehr in höchstem Ansehen. Die als Iglus bezeichneten Container, die es derzeit noch auf vier Wertstoffinseln im Gemeindegebiet gibt - und die neben der haushaltsnahen "blauen Tonne" und dem Wertstoffhof der Erfassung von Papier, Pappe und Kartonagen dient - sollen zum Ende des Jahres abgebaut werden. Das hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Den Anstoß gab die Entscheidung der bisher mit der Sammlung und Entsorgung beauftragten Firma Remondis Süd GmbH, die ihre "Erfassungsleistung" zum 31. Dezember 2020 aus Kostengründen gekündigt hat. Die Gemeinde nutzt dies nun, sich von den ohnehin umstrittenen Iglus zu verabschieden. Zum einen aus Kostengründen. Auf die Gemeinde käme mit neuem Erfassungs- und Entsorgungsleister im Jahr 2021 mit Iglus gut 50 000 Euro Gesamtkosten zu. Bei einer Streichung der Iglus dagegen rechnet die Verwaltung inklusive neuer Papiertonnen und Abrollcontainer am Wertstoffhof 2021 mit Kosten zwischen 30 000 und 36 000 Euro.

Es dürfte auch generell aus wirtschaftlicher Sicht dauerhaft keinen Sinn ergeben, am Ort drei Sammelsysteme - Iglus, blaue Tonne, Wertstoffhof - zu betreiben. Rund um die Iglus kommt es auch immer wieder zu so genannten wilden Ablagerungen, die künftig wegfielen. "Die meisten von uns empfinden die Iglus nicht als ortsverschönernd" sagte Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG).

Dass die Umsetzung ziemlich kurzfristig kommen soll und das Erfassungssystem "blaue Tonne" ausgeweitet werden muss, sahen einige Gemeinderäte kritisch. Einige Bürger hätten darauf ja bisher bewusst verzichtet - vermutlich aus einer Mischung aus ästhetischen und praktischen Gründen. Zudem kam generell die Frage auf, wie das mit der blauen Tonne in Mehrfamilienhäuser funktionieren würde, nach einer Auswirkung auf die Höhe der Müllgebühren und den dann zu erweiternden Öffnungszeiten am Wertstoffhof. Christine Kammermeier (SPD) regte an, die Bürger mit gemeindlichen Briefen und nicht nur über die regionalen Medien zu informieren und von der Notwendigkeit einer "Grundsatzentscheidung" zu überzeugen. Tanja König (Grüne) hob die Diskussion noch auf eine ganz prinzipielle Ebene und fragte: "Warum müssen wir überhaupt alle so viel Müll produzieren?" Ihre Parteikollegin Ursula Kuhn dämmte die etwas ausufernde Diskussion schließlich durch einen Antrag auf Abbruch der Debatte ein. Der Gemeinderat billigte bei drei Gegenstimmen den Vorschlag der Verwaltung, die Iglus bis zum Ende des Jahres vollständig abzubauen sowie den günstigeren der beiden Bieter zu beauftragen, die Abroller am Wertstoffhof bereit zu stellen. Die Sammlung von Papier, Pappe und Kartonagen wird in Baierbrunn von 2021 nur noch über die haushaltsnahe blaue Tonne sowie über besagte Abroller am Wertstoffhof - der künftig länger geöffnet haben soll - erfolgen. Die Iglus liegen dann auf Eis.

© SZ vom 12.09.2020
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