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Aying:Sommer auf dem Kanapee

Wenn Gerhard Polt einem Mitkünstler einen Korb gibt, ist das natürlich ziemlich schade. Wolfgang Ramadan, umtriebiger Kulturmanager und Veranstalter aus Icking, hatte Polt gebeten, ob er nicht zu einer Abo-Eröffnung am Tegernsee auftreten wolle, doch der Kabarettist ließ ihn abblitzen mit dem Hinweis, er habe grad ein neues Kanapee, auf dem wolle er es sich jetzt gemütlich machen. Ramadan war zunächst baff, doch dann inspiriert von Polts Einstellung zum Leben: Er schrieb kurzerhand ein Lied über das Daheimbleiben. Der Song "S'Lem is sche aufm Kanapee", Untertitel: "I bleib dahoam, i mog des Bairische" kann von heute an auf allen bekannten Downloadportalen erworben werden.

Ramadan hat in der Kulturlandschaft des Landkreises tiefe Spuren hinterlassen, ob als Kulturreferent in Garching oder Unterföhring, als Theaterautor, Bühnenlyriker oder als kultureller Grundversorger mit seiner Veranstaltungsfirma "Brotzeit und Spiele", die unter anderem in Aying daheim ist. In seinem Sommerlied besingt Ramadan die Besinnung zurück auf die einfachen Dinge und die Kunst der Gelassenheit. Karibische Klänge dazu steuert der musikalische Globetrotter Wally Warning bei. Warning, ein alter Freund und Wegbegleiter Ramadans, war es auch, der den Song erst aus der Taufe hob. Warning, so erzählt es Ramadan, habe den Freund eigentlich angerufen, um ihm seine finanzielle Unterstützung in diesen für freie Kulturschaffende so schwierigen Zeiten anzubieten. Als ihm Ramadan seine Liedidee erzählte, war dieser sofort begeistert und drängte auf eine gemeinsame Aufnahme. Binnen weniger Tage entstand in Warnings Studio der Song; das Musikvideo steuerte Arne Hain bei.

Der Mix aus augenzwinkerndem bairischem Text und sanftem Ukuleleklimpern versetzt den Zuhörer sofort in einen Zustand sommerlicher Entspannung. So gemütlich der Song auch dahergroovt, er hat einen ernsten Hintergrund. "Das Lied ist auch ein Strohhalm", sagt Ramadan. Ob seine Veranstaltungsfirma die kommenden Monate übersteht, ist völlig ungewiss. Die Krise verlangt den freien Kulturschaffenden besonders viel ab. Jammern aber will Ramadan nicht. Da schreibt er lieber ein Lied. Und hofft auf kurze Entspannung "an am See - in der Näh".

© SZ vom 31.07.2020 / gna

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