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Aying:Nur ein Windrad wackelt

Nach dem Ausstieg Brunnthals planen die Nachbargemeinden mindestens drei Rotoren

Von Michael Morososw, Aying

Die Gemeinde Aying lässt sich vom Ausstieg ihres Nachbarn Brunnthal aus der Arge Windkraft nicht von ihrem Kurs abbringen. "Wir gehören zusammen", sagte Ayings Bürgermeister Peter Wagner (CSU) zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Dienstag in der Turnhalle in Großhelfendorf mit Blick auf die Rathauschefs von Sauerlach und Otterfing, Barbara Bogner (UBV) und Michael Falkenhahn (SPD), die das Gemeinschaftsgefühl durch ihr Erscheinen belegten.

Den Ausstieg Brunnthals bezeichnete Wagner als "sehr schade" und nicht nachvollziehbar in dieser Phase des Projektes, die verbliebenen drei Gemeinden sowie die Landkreise München und Miesbach sollten sich seiner Meinung nach dadurch nicht zurückwerfen lassen. Offen bleibt aber die Frage, ob weiter mit vier Windrädern im Hofoldinger Forst geplant wird, oder auf drei zurückgefahren wird. In jedem Fall solle die Wertschöpfung in der Region bleiben und kein Privater zum Zuge kommen. "Wichtig ist, dass die Arge bestehen bleibt und kein Investor dort eine Windenergieanlage baut", sagte Wagner. Mit 18 zu einer Stimme entschied der Gemeinderat schließlich, die Planungen weiterzuführen.

Rückenwind für ihr Vorhaben haben die Arge-Mitglieder bereits bekommen, die erste Wirtschaftlichkeitsprüfung sowie die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung jedenfalls sind positiv ausgefallen. Die Gemeinderäte in Aying, Sauerlach und Otterfing sind über die Ergebnisse bereits informiert worden, demnächst sollen die Bürgerinnen und Bürger der drei Gemeinden Einzelheiten dazu erfahren. So ist für April eine hybride Informationsveranstaltung vorgesehen sowie drei örtliche Veranstaltungen in den Kalenderwochen 15, 16 und 17. Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsprüfung und des Artenschutz-Gutachtens werden demnächst auch im Kreistag vorgestellt.

Finale Prüfungen durch die Unteren Naturschutzbehörden in den Landkreisen Miesbach und München stehen zwar noch aus, aber die ersten Expertisen lesen sich vielversprechend. "Auf Basis der Kartierung stehen dem Projekt keine entscheidenden Belange entgegen", sagte Wagner. Infrarot-Messungen zwischen Dezember 2019 und Dezember 2020 zeigten auf, dass der Wind mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeiten von 5,7 Meter pro Sekunde über den Hofoldinger Forst streicht. 10 000 bis 13 000 Megawattstunden Strom ließen sich mit einem Windrad generieren, genug für 2500 Haushalte oder "für ganz Aying", wie Wagner sagte. Mit einem Abstand von 2500 Metern zur Wohnbebauung werde die 10-H-Regelung eingehalten. Die Flugbahnen der Großvögel seien untersucht und kartiert worden, ein Rotmilan sei nicht gesichtet worden, dafür Wespenbussarde, Eulen, Käuze und Fledermäuse.

Dass der Mensch nicht nur in pekuniärer Hinsicht von den Windkraftanlagen profitieren würde, stellte Wagner auch noch klar. "Klima, Borkenkäfer - wir müssen Schritte einleiten gegen die Erderwärmung", sagte Peter Wagner. Sonst stelle sich die Frage, ob es den Hofoldinger Forst in 20, 30 Jahren überhaupt noch geben werde.

© SZ vom 11.03.2021
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