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Aschheim:"Nicht unsere erste Insolvenz"

In Aschheim nimmt man die Wirecard-Pleite gelassen

Das Thema Wirecard ist vermutlich noch nicht ausgestanden für Aschheim. Und nicht nur die Gemeinde, in der der insolvente Online-Zahlungsdienstleister im Gewerbegebiet Dornach seinen Hauptsitz hat, könnte betroffen sein. Der Fall könnte noch weitere Kreise ziehen, befürchten die Grünen Landtagsabgeordneten Markus Büchler und Claudia Köhler. Aus diesem Anlass luden sie zu einer digitalen Debatte über die Folgen der spektakulären Pleite des Dax-Aufsteigers auf Aschheim. "Wenn ein großer Steuerzahler wegbricht, hat das Auswirkungen auf alle Ebenen, auf die Region", sagte der Oberschleißheimer Büchler.

Während Politik und Staatsanwaltschaft versuchen, die Hintergründe des Skandals angesichts von Vorwürfen wie Bandenbetrug aufzuklären, konzentrierten sich die Diskussionsteilnehmer auf die finanziellen Folgen der Pleite für den Standort. Allerdings zeigte sich rasch das grundlegende Problem: Da die wahre Dimension des Betrugs von Wirecard noch nicht bekannt ist und zudem einzelne Aussagen zu Gewerbesteuerzahlungen aus der Vergangenheit unter das Steuergeheimnis fallen, sind weitere Prognosen viel "Glaskugelleserei", wie Thomas Stobbe, Steuerberater und Dozent für Steuern und Wirtschaftsprüfung, erklärte.

Sollte Wirecard für die vergangenen Jahre, in denen das Unternehmen angeblich Spitzeneinkünfte hatte, Vorauszahlungen auf die Gewerbesteuer an die Kommune gezahlt haben und sich nun herausstellen, dass die Zahlen geschönt waren, müsste Aschheim wohl mit Rückzahlungsforderungen rechnen. Die Gemeinde beobachtet die Ermittlungen derzeit recht gelassen. "Das ist nicht unsere erste Insolvenz", sagte Geschäftsleiter Christian Schürer in der Diskussion. Aschheim sei bei der Gewerbesteuer breit aufgestellt.

Dank der staatlichen Corona-Hilfen rechnet die Gemeinde heuer mit nur wenig geringeren Gewerbesteuereinnahmen als 2019. Außerdem freut sich Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU), dass die spanische Banco Santander das Kerngeschäft von Wirecard und wohl auch einen Teil der verbliebenen Mitarbeiter und womöglich der Büros in Dornach übernimmt. Das sei auch für das Gewerbegebiet gut, da es weniger Leerstand bedeute. Für die Arbeitsplätze in Dornach wollen sich auch die Grünen im Landtag einsetzen.

© SZ vom 25.11.2020 / gna
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