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1. Mai:Die standhafte Bürgermeisterin

Das Maibaum-Einholen wird in Pullach mit großem Auftrieb gefeiert. Das Aufstellen erst recht.

(Foto: Claus Schunk)

Susanna Tausendfreund bleibt, der Pullacher Maibaum wechselt

Von Michael Morosow, Pullach

Beide sind vor vier Jahren aufgestellt worden - der Maibaum und die heute amtierende Bürgermeisterin der Gemeinde Pullach. "Der 1. Mai 2014 war für uns beide sozusagen der erste Tag im Amt", schreibt Susanna Tausendfreund (Grüne) im "Bürgermeisterbrief" in der jüngsten Ausgabe des Gemeindeblattes, und sie vergisst nicht, mit einem Augenzwinkern nachzuschieben: "Nun habe ich also doch länger als unser 13. Maibaum durchgehalten." Denn während Tausendfreund in zwei Jahren abermals aufgestellt und als Rathauschefin wiedergewählt werden kann, ist der Maibaum schon längst umgelegt worden. Nachdem ein Sachverständiger im Vorjahr dem 30-Meter-Riesen eine nachgelassene Standfestigkeit attestiert hatte, haben ihn Feuerwehr und Bauhof Anfang des Jahres Stück für Stück abgesägt.

"Der Maibaum ist tot, es lebe der Maibaum", kann man jetzt in der Südgemeinde verkünden, denn es ist bereits ein würdiger Nachfolger gefunden worden: eine mehr als 37 Meter lange, 113 Jahre alte Rotfichte aus dem Forstenrieder Park, die bereits gehobelt und geschliffen wurde und seither neben der Wachhütte des Burschenvereins hinter dem Bolzplatz an der Margarethenstraße liegt - streng bewacht, versteht sich. "Nicht, dass es unserer Gemeinde ergeht wie in den Jahren 1976, 2006 und 2010, als die Unterbrunner Maibaum-Räuber zuschlugen", heißt es im Bürgermeisterbrief. Bis dato haben die Unterbrunner Burschen die Finger gelassen von der Rotfichte, was wohl auch an der Entschlossenheit der Pullacher Burschen liegt, nicht abermals den berüchtigten Maibaumdieben eine Chance zu geben. Seit dem 17. März bewachen die Pullacher Burschen täglich und rund um die Uhr den Baum, der demnächst grundiert und weiß-blau lackiert werden wird. Wer ihnen dabei über die Schulter schauen wolle, solle möglichst ohne Auto kommen oder es zumindest im Parkhaus abstellen, da die Zahl der Parkplätze in der Margarethenstraße begrenzt seien, rät Tausendfreund.

Am Sonntag, 29. April, wird das gute Stück an der Maibaumwiese an der Schwanthaler Straße von den Burschen aufgestellt werden. Dort geht es am darauffolgenden Montag beim Tanz in den Mai rund. Die Pullacher Blasmusik wird spielen, es gibt Getränke und Gegrilltes. Zu den Höhepunkten zählt auch der Einzug der Tanzpaare mit der Maibaumfahne gegen 12 Uhr. Sobald diese gehisst ist, werden die Pullacher Burschen und Madln abends zur Quetschn-Musik von Erhard Hauptenbuchner um den Baum tanzen. Dann können sie zeigen, was sie zwei Monate lang mit dem Trachtenverein D'Hochleitner geübt haben, der am 1. Mai gegen 14 Uhr seinen großen Auftritt hat - beklatscht sicher auch von den Burschen und Madln, die bereits um 12 Uhr einlaufen. Danach stehen Reden von dem Burschenvereinsvorsitzenden Moritz Harant, der Maikönigin der Madln, der Bürgermeisterin und der beiden Pfarrer auf dem Programm. Die Freiwillige Feuerwehr wird anschließend mit einer Drehleiter erscheinen, um eine Kugel auf die Maibaumspitze zu stecken. Die Fahnensegnung und das Hissen der Maibaumfahne wird von der Pullacher Blasmusik begleitet.

© SZ vom 28.04.2018

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