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Laim:Verdruss über Neubebauung

Ausgedient: Hochhaus und Parkplatz an der Guido-Schneble-Straße sollen neuen Gebäudekomplexen weichen, die sich bis zur Josef-Schick-Straße hinziehen werden.

(Foto: Yoav Kedem)

Eher zufällig hat der Bezirksausschuss von den Plänen des Wohnungsvereins München 1899 erfahren, das Hochhaus an der Guido-Schneble-Straße abzureißen und dort 200 Wohnungen nebst Pflegeheim zu errichten

Von Christina Seipel, Laim

In einem zumindest sind sich die Lokalpolitiker und der gemeinnützige Wohnungsverein München 1899 einig: Laim braucht preiswerte Wohnungen. Kein Konsens besteht jedoch darin, wie die Bebauung aussehen soll. Und noch etwas missfällt den Laimern: "Uns stört die wenige Beteiligung des Bezirksausschusses und der Bürger im Viertel", sagt die CSU-Fraktionssprecherin Alexandra Gaßmann. Auch Josef Mögele (SPD), der Vorsitzende des Gremiums, kritisiert den Verein für seine "Eigenbrötlerei": "Ich bin stinksauer."

Ende Januar haben die Laimer Politiker zufällig erfahren, dass die Bäume um das Hochhaus an der Guido-Schneble-Straße gefällt worden sind. Die Genehmigung sei jedoch schon im Dezember erteilt worden. "Man hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt", moniert Gaßmann. Üblicherweise suchten Bauträger bei Projekten dieses Ausmaßes das Gespräch mit dem Bezirksausschuss (BA). Die Bauherren des Wohnungsvereins hätten jedoch den Vorbescheidsantrag bei der Lokalbaukommission (LBK) eingereicht, ohne sie vorher über das Neubauprojekt zu informieren. Selbst die Mitglieder hätten erst jetzt auf SZ-Anfrage hin einen Infobrief über das Bauvorhaben und den geplanten Abriss des Hochhauses an der Guido-Schneble-Straße, der von April an erfolgen soll, erhalten.

In einem fraktionsübergreifenden Dringlichkeitsantrag fordert das Gremium die Stadt nun auf, das Bauvorhaben vorzustellen, "damit bestehende Fragen und Bedenken geklärt werden können". Zudem soll ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Denn die beabsichtigte Neubaumaßnahme habe "eine quartiersprägende Wirkung und ist in dieser Form nicht mit dem gültigen Bebauungsplan vereinbar", heißt es in der Begründung.

Missfallen erregen die "enorme Baumasse" und fehlende Freiflächen für Kinder

Wie die LBK der SZ mitteilt, liege es beim Antragsteller, dem Gremium das Projekt vorzustellen. Jedoch habe man "dem Wohnungsbauverein empfohlen, den BA zu informieren und einzubinden". Im Vorbescheid, der derzeit geprüft wird, sind circa 200 Wohnungen, ein Pflegeheim, eine Kita sowie Gemeinschaftseinrichtungen und Tiefgaragen mit etwa 410 Stellplätzen rund um die Kreuzung Saherr-/Guido-Schneble-Straße vorgesehen. Dabei soll sich ein neuer Wohnriegel vom Turm an der Guido-Schneble-Straße bis zur Josef-Schick-Straße ziehen. Das Hochhaus, die Kita auf der Nordwest-Seite der Saherrstraße und das Parkdeck entlang der Saherrstraße sollen weichen.

Die "ernorme Baumasse" führt zu Verdruss im BA. Vor allem missfällt den Stadtteilpolitikern, dass keine Freiflächen vorgesehen seien etwa für Kinder, die dort wohnen oder die Kita besuchen. Verwundert sei man auch über den alten Bebauungsplan von 1966, für den der Bauherr nun mehrere Ausnahmen beantragt habe. Wie die Stadt jedoch mitteilt, sei der alte Plan, der damals auf Veranlassung des Gemeinnützigen Wohnungsvereins München 1899 e. V. aufgestellt worden ist, rechtsgültig. Einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan halte man daher für "nicht notwendig". Jedoch räumt die LBK ein, dass der Bebauungsplan "zum Teil nicht mehr zeitgemäß" sei. Vor allem die eingeschossige Hochgarage an der Saherrstraße vergeude eine Fläche, "die einer hochwertigeren Nutzung zugeführt werden sollte". Eine Chance liege darin, "mit verträglichen Befreiungen vom bestehenden Bebauungsplan das Baurecht für Wohnungsbau und soziale Nutzungen auszuschöpfen".

Dem Wohnungsverein ist der Groll im BA offenbar neu. "Uns liegen keine Anträge/Auskünfte/Vorwürfe des Laimer BAs vor." In einem Schreiben deutet der Vorstand gar an, dass möglicherweise vorerst keine Baumaßnahmen erfolgen werden "aufgrund eines übertriebenen Forderungskatalogs" der Stadt. Diese weist die Anschuldigung zurück. Es müssten lediglich die üblichen Vorschriften eingehalten werden, wie schützenswerten Baumbestand zu erhalten, so ein Sprecher des Planungsreferats.

© SZ vom 17.02.2021
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