Laim:Leerer Pausenhof

Die neue Schule an der Schrobenhausener Straße ist längst in Betrieb, Spielgeräte sind offenbar nicht vorgesehen

Von Christina Seipel, Laim

Klettergerüst, Trampolin, Rutsche und Schaukel, so stellen sich die Kinder der Grundschule an der Schrobenhausener Straße die Spielmöglichkeiten auf ihrem neuen Pausenhof vor. Es sind die Ergebnisse einer Umfrage, die Lisbeth Haas (Grüne) in ihrer Funktion als Kinder- und Jugendbeauftragte im Laimer Bezirksausschuss (BA) vor Kurzem bei den Zweitklässlern der Tandemklasse mit Inklusion durchgeführt hat. Die Realität sieht für die Grundschüler jedoch ganz anders aus. Ihre einzige Spielmöglichkeit ist ein kleiner Balancierparcours aus Holzstämmen, den sie gemeinsam mit den Lehrern errichtet haben. Die Bauzäune und ein gelbes Baufahrzeug auf dem asphaltierten Pausenhof zeugen von der großen Schulerweiterung, der Außenbereich ist gerade fertig geworden. Doch Spielgeräte sucht man vergebens.

Im September 2020 sind die ersten Klassen der Grundschule mit Inklusionsprofil in das neue Gebäude an der Schrobenhausener Straße 15 gezogen. "Eigentlich sollten die Außenanlagen zeitgleich fertig werden", berichtet Daniel Gromotka, der Vorsitzende vom Elternbeirat der Grundschule. Als die Eltern erfahren haben, dass nichts mehr kommen soll "da waren wir alle baff".

Es wäre ja eigentlich etwas vermeintlich Selbstverständliches, wundert sich auch Rektorin Martina Jobst. Als im Juni auch der Außenbereich fertig wurde, ist der Schuldirektorin aufgefallen, dass es für Spielangebote im Freien weder Pläne noch Simulationen gibt. Vom Zentralen Immobilienmanagement (ZIM), das im Referat für Bildung und Sport (RBS) angesiedelt und für das Planen sowie Errichten von öffentlichen Schulen in München verantwortlich ist, habe sie dann erfahren, dass tatsächlich keine Spielgeräte geplant sind. Lediglich für das begehbare Dach der neuen Dreifachturnhalle sei eine Boulderwand geplant - als Pausenbeschäftigung für mehr als 400 Grundschüler und 200 Mittelschüler.

Dass die neue Schule ohne entsprechendes Equipment gebaut wurde, überrascht auch die Laimer Stadtviertelvertreter. "Ich sehe die Landeshauptstadt in der Pflicht", mahnte SPD-Fraktionssprecher Carsten Kaufmann (SPD) im Bezirksausschuss. Das zuständige Referat für Bildung und Sport (RBS) soll nun erläutern, ob die Stadt kein Geld für die Spielgeräte mehr zur Verfügung hatte oder sie schlichtweg vergessen wurden, fordert das Stadtteilgremium.

Alexandra Gaßmann (CSU), Stadträtin und Verwaltungsbeirätin der Schule, hatte bereits Anfang Juni eine Anfrage an die Stadt gestellt. Solange diese noch nicht beantwortet ist, will das Referat gegenüber der SZ keine Auskünfte über die weitere Planung des Außenbereichs geben. Nur so viel: "Die individuelle Gestaltung und Ausstattung des Außenbereichs wird nicht durch die Schulbauverordnung bestimmt", erläutert ein RBS-Sprecher. "Der konkrete Bedarf richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen der Schüler. Der Einschätzung der Schulleitungen kommt bei den Planungsabstimmungen daher große Bedeutung zu." Auch die Planung des Areals der Schule an der Schrobenhausener Straße habe man mit den damaligen Schulleitungen abgestimmt.

Jobst hatte die Leitung der Schule jedoch erst vor drei Jahren, mitten in der Bauphase, übernommen. Sorge bereitet ihr und den Eltern auch, dass die rund 100 Kinder, die seit 2020 im Rahmen der Kooperativen Ganztagsbildung von 8 Uhr morgens bis zum späten Nachmittag betreut werden, ohne Spielmöglichkeiten im Freien auskommen müssen. Wichtig sei nun, so die Schulleiterin, dass für den neuen Außenbereich schnell eine Lösung gefunden werde, die im Sinne des inklusiven Gedankens "für alle Schüler Möglichkeiten bietet".

© SZ vom 12.07.2021
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