Laim Dem Nachbarn unter die Arme greifen

Gerade im Alter sind Kontakte wichtig, um fit zu bleiben.

(Foto: Felix Kästle/dpa)

Ein vor Kurzem in Laim gegründeter Verein versucht, auf Stadtviertel-Ebene den Kontakt zwischen Helfern und Hilfsbedürftigen herzustellen. Im nächsten Jahr soll das Angebot zunächst auf den Münchner Westen und dann auf das ganze Stadtgebiet ausgeweitet werden

Von Andrea Schlaier, Laim

Natürlich gibt es reichlich Bedarf für Hilfen aller Art in einer immer älter werdenden Gesellschaft. Zumal in der Großstadt, wo Senioren oft auf sich allein gestellt sind. Etwa, wenn es darum geht, zum Arzt begleitet zu werden oder die schweren Einkäufe nach Hause zu tragen. Andere bräuchten dringend mal ein bisschen Luft bei der Pflege ihrer Angehörigen. Vor ein paar Monaten hat sich in Laim ein Verein gegründet, der nun versucht, ein Netzwerk aus Helfern und Hilfsbedürftigen zu weben. Er nennt sich "Dein Nachbar" und hat in den eigenen Räumen an der Agnes-Bernauer-Straße 90 bislang 70 Helfer gewinnen können, 30 davon wurden von professionellen Mitarbeitern etwa zu Demenzhelfern geschult. Die Zahlen hat Vorsitzender Thomas Oeben genannt und gleichzeitig angekündigt, das Angebot jetzt auf den Münchner Westen und 2016 auf das ganze Stadtgebiet ausweiten zu wollen.

Oeben ist Betriebswirt und ein ehrgeiziger Mann. Er hat als Logistiker im internationalen Dienstleistungsbereich gearbeitet und sich mit Kollegen daran gemacht, auf die Versorgungsproblematik innerhalb der Gesellschaft zu reagieren. Erst mal mit dem eigenen Verein. Man mietete Ende Juni leere Räume schräg gegenüber dem Laimer Anger an, wo seither Schulungen und Vorträge rund um das weite Themenfeld angeboten werden.

Es gelte, ein lokales Netzwerk aufzubauen für Botengänge, Begleit- und Besuchsdienste, Entlastung pflegender Angehöriger, Betreuung demenziell Erkrankter, technische Hilfe, Haus- und Gartenarbeiten. Zunächst, sagt Oeben, als Entlastung für ältere Menschen, später aber auch für Familien und andere hilfsbedürftige Bewohner. Die Helfer werden für ihren Einsatz letztlich selbst mit Dienstleistungen belohnt, die sie dann in Anspruch nehmen können. Deshalb hat sich auch Rosmarie Huber beim Verein gemeldet. Die 67 Jahre alte Rentnerin lebt ohne Familie in Laim. "Es könnte sein, dass ich später selbst einmal Hilfe brauche." Deshalb bietet sie jetzt ihre Unterstützung etwa für Arztbesuche an und kann sich, wenn es denn mal erforderlich sein sollte, ihren Einsatz als Dienstleistung rückvergüten lassen. Josephine Zink, 86 Jahre alt und schlecht zu Fuß, kam bereits in den Genuss von Hubers Gesellschaft. Veronica Kay, die seit zwölf Jahren ihren Mann pflegt, hat durch die Vermittlung von "Dein Nachbar" neuerdings eine Haushaltshilfe. "Außerdem weiß ich, dass, falls ich mal nicht mehr kann, jemand für mich und meinem Mann da ist."

Der Verein finanziert sich bislang durch Mitgliedsbeiträge und "Einnahmen aus der Leistungserbringung, also das, was wir über die Kasse abrechnen können", sagt Oeben. Derzeit sei man außerdem auf der Suche nach Sponsoren - und nach Menschen, die an Heiligabend Gesellschaft wünschen. Nachbar-Mitarbeiterin Sabine Zenglein arrangiert für den 24. Dezember in den Vereinsräumen an der Agnes-Bernauer-Straße ein Weihnachtsessen. Anmeldungen unter Telefon 960 40 400.