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Laim:Aus dem Gleichgewicht

Ständig im Baustellen-Modus: Die private evangelische Lukas-Schule an der Riegerhofstraße will Platz für weitere 500 Schüler schaffen und eine zweite Dreifachturnhalle, die man sich mit dem Sportverein teilt.

(Foto: Catherina Hess)

Weitere 21 Klassenzimmer, eine zweite, unterirdische Turnhalle: Ein Teil des Bezirksausschusses kritisiert die ständige Erweiterung der Lukas-Schule, der andere Teil rechtfertigt sie mit steigenden Schülerzahlen

Mit der privaten evangelischen Lukas-Schule und ihren Erweiterungsplänen hat sich der Bezirksausschuss (BA) Laim am Dienstagabend in einer Sondersitzung befasst. Weil die Schülerzahlen seit Jahren steigen und die bisherigen Räumlichkeiten an der Riegerhofstraße nicht mehr ausreichen, hatten die Verantwortlichen des Schulträgers bereits 2014 und 2017 Anträge für einen Erweiterungsbau eingereicht. Die Pläne wurden von vielen Mitgliedern des BAs, allen voran die SPD-Fraktion, kritisch gesehen: Zu groß sei die mit der Schulerweiterung einhergehende Verkehrs- und Lärmbelastung, zudem würde der Anbau auf einer der letzten öffentlichen Flächen im Stadtteil entstehen. Gebaut wurde trotzdem, zunächst entstanden neun zusätzliche Klassenräume für den sich im Aufbau befindlichen Gymnasiumszweig.

Am Dienstag nun präsentierte das Planungsreferat die neuen Pläne des Trägers für einen weiteren Ausbau der Lukas-Schule: Auf zwei Flurstücken südlich des bestehenden Schulgebäudes soll ein mehrstöckiger Anbau entstehen, der Platz für weitere 500 Schüler schaffen soll. Der Plan sieht 21 neue Klassenzimmer sowie eine unterirdische Dreifachturnhalle vor. Deren Nutzungszeiten will sich die Lukas-Schule wie bei der bereits bestehenden Halle mit dem benachbarten Sportverein SV Laim teilen: Bis 17 Uhr sollen die Schüler die Halle nutzen können, danach sind die Sportler dran.

In Teilen des Bezirksausschusses löst das Bauvorhaben Unmut aus. "Wir sind es ja schon gewohnt, dass immer neue Anträge von der Lukas-Schule kommen", sagte SPD-Fraktionssprecherin Martha Mertens. Bereits in der Vergangenheit hatten die Sozialdemokraten die "Salamitaktik" des Schulträgers kritisiert, durch die häppchenweise neu eingebrachten Bauanträge sei das Vertrauen geschwunden. Zudem sorgte sich Mertens um die Verkehrssituation rund um die Riegerhofstraße: Weit mehr als 1000 Schüler würden nach dem Ausbau jeden Morgen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch mit dem Fahrrad in die Schule fahren oder von ihren Eltern mit dem Auto gebracht werden. Hierfür bräuchte es genügend Stell- und Parkplätze.

Unterstützung bekamen die neuen Pläne wie auch die vorherigen von der CSU. Ein Platz an der Lukas-Schule sei begehrt, sagte die Fraktionssprecherin Alexandra Gaßmann, der Ausbau angesichts steigender Schülerzahlen und des Aufbaus des Gymnasiums zwingend erforderlich. Zudem stehe man erst am Anfang der Bauplanungen, viele der von der SPD vorgebrachten Kritikpunkte ließen sich im Laufe des Verfahrens klären.

In der Debatte um die Lukas-Schule geht es auch um die Frage, wie mit den letzten übriggebliebenen Freiflächen im Viertel umgegangen werden soll. Die SPD und große Teile der Grünen sähen es lieber, diese als Freiflächen zu bewahren oder einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. Besonders deutlich wurde dies in der BA-Sitzung, als ein Mitglied des Elternbeirats der Fürstenriederschule sein Unverständnis darüber äußerte, dass dort seit Jahren wegen Auflagen der Behörden keine dringend notwendigen Baumaßnahmen durchgeführt würden, die Lukas-Schule aber alle paar Jahre neue Bauanträge stellen könne, von denen viele genehmigt wurden. Zwar sei die Kooperation zwischen den Schulen gut, doch befürchten einige, darunter auch Martha Mertens, durch die Entwicklungen ein "Ungleichgewicht" im Viertel.

Der neu eingebrachte Bauantrag der Lukas-Schule durchläuft nun die Genehmigungsschleifen, ein Baubeginn vor 2021 ist unwahrscheinlich. Der BA-Vorsitzende Josef Mögele (SPD) warb für eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten. "Wir müssen ganz genau hinschauen, was wir da machen", sagte er. Die Fragen des Gremiums zu den eingereichten Plänen gehen nun an die Stadtplanung zurück, letztendlich abstimmen über das Bauvorhaben wird der Stadtrat. Dann wird sich zeigen, ob die Kommunalpolitiker am Marienplatz in der Frage um die Zukunft der Lukasschule genauso gespalten sind wie ihre Kollegen in Laim.

© SZ vom 31.10.2019

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