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Kunstverein:Farbe und Form auf Formular

Karel Martens, Untitled (2016), zu sehen in der aktuellen Ausstellung des Kunstvereins München.

(Foto: Courtesy the artist and P!)

Mono-Prints, Papierreliefs oder kinetische Skulpturen: Der Münchner Kunstverein zeigt Werke des niederländischen Designers und Typografen Karel Martens.

Von Jürgen Moises

Gutes Design braucht Zeit und Einfühlungsvermögen. Ein Werk, welches das wie kaum ein anderes verdeutlicht, ist das des Designers und Typografen Karel Martens. An seinem Ziel, mit einzelnen Arbeiten noch völlig unbekannte visuelle Effekte zu erzielen, arbeitet der Niederländer oft viele Monate oder gar Jahre lang.

Bei seinen "Mono-Prints" ist dabei oft vorgefundenes Papier der Ausgangspunkt, das können Steuerformulare sein oder Inventurlisten. Auf diese druckt Martens mit ebenfalls oft vorgefundenen Gegenständen Farbe. Und frühestens wenn die erste Farbe getrocknet ist, druckt er das nächste Muster und so weiter.

Das klingt nach einer geradezu meditativen Arbeit, Martens selbst vergleicht es mit Instrumentalmusik. Repräsentative Beispiele dafür sind vom 4. Februar an in der Ausstellung "Karel Martens. Motion" im Kunstverein München zu sehen. Neben verschiedenen "Mono-Prints" gehören dazu Papierreliefs, Videos, Wallpapers oder kinetische Skulpturen.

Sie dienen als Demonstrationsobjekte für Martens sehr systematische Herangehensweise an Farbe, Format, Typografie und Material, mit der er zahlreiche andere Designer beeinflusst hat sowie viele seiner Schüler am ArtEZ Institute of the Arts in Arnhem, wo der 1939 geborene Künstler seit Jahren lehrt.

In der Ausstellung gezeigt werden außerdem neue Auftragsarbeiten oder "rekonfigurierte" Werke wie gewebte Textilien, interaktive Video-Projektionen oder eine riesige abstrakte Uhr, die durch Farbinversionen oder eine Spiegelinstallation raumübergreifend inszeniert sind. Darüber hinaus sind im Kunstverein, in Amsterdam, Vilnius, Paris und New Work Begleitveranstaltungen eingeplant, die Martens Werk auf internationaler Ebene thematisieren.

Als eine Raum- und Zeitgrenzen überschreitende Arbeit lässt sich auch das Video "Reclaimed Empire (Deep Edit)" von Adam Putnam beschreiben, das ebenfalls vom 4. Februar an im Kino des Kunstvereins läuft. Eigentlich sind es 81 Videos, vorwiegend mit Natur- und Architekturaufnahmen, die sich über die Zeit von zwei Monaten zu einem traumartigen Gesamtkunstwerk verdichten.

Karel Martens. Motion; Samstag, 4. Februar, bis 2. April, Di. bis So., 11-18 Uhr, Galeriestr. 4

© SZ EXTRA vom 02.02.2017/amm
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