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Kunst der Pause:Neues Miteinander

Alexander Liebreich, ist 1968 in Regensburg geboren. Er war Leiter des Münchner Kammerorchesters, ist Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Prag und seit 2018 Leiter des Richard-Strauss-Festivals.

(Foto: Robert Haas)

Alexander Liebreich hilft es, eine wunderbare Familie zu haben

Das Kulturleben steht still. Zumindest äußerlich. Innerlich, in den Stuben und Köpfen der Künstler geht es natürlich weiter. Die Serie "Kunst der Pause" befragt die Kreativen ohne Bühne, die Dirigenten ohne Orchester, die Schauspieler ohne Set, was sie nun tun. Noch ist Alexander Liebreich zuversichtlich, dass das von ihm geleitete Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen wie geplant vom 19. bis 28. Juni stattfinden kann. "Humanitas. Mensch" lautet das Motto der neun Tage, in denen Liebreich Musik- und Naturerlebnisse miteinander verbinden möchte.

SZ: Woran wollten Sie in diesen Tagen arbeiten, wenn durch Corona nicht alles lahmgelegt worden wäre?

Alexander Liebreich: Am vergangenen Wochenende hätte ich zusammen mit Pinchas Zukermann und seiner Frau Amanda zwei Konzerte gegeben und Richard Strauss' Don Quichote musiziert, dies mit dem wunderbaren Orchestra Castilla y Leon in Spanien. Diese Woche wären viele Treffen in Vorbereitung auf das Richard Strauss Festival 2020 gewesen.

Was machen Sie jetzt stattdessen?

Mathematik und Klavierspielen mit meinem Sohn, Tschechisch und Griechisch lernen, mit meinen Eltern telefonieren, die wir leider nicht besuchen können.

Was hilft Ihnen gegen triste Gedanken in diesen Tagen?

Die Situation eine wunderbare Familie und gute Freude zu haben, dazu der "digital-soziale" Kontakt mit vielen Musikern und Orchestern, das ist in diesen Tagen besonders wichtig. Zuhause (gemeinsam) Kochen genieße ich sehr!

Worauf freuen Sie sich jetzt schon, wenn das kulturelle Leben wieder aufgenommen wird?

Da meine Arbeit mit Orchestern stattfindet, freue ich mich darauf am meisten. Ich hoffe sehr, dass nicht nur in der Krise sondern auch nach der Krise die Bedeutung der Kultur und des kulturellen Miteinanders neu gesehen und definiert wird. Die Entschleunigung hilft der Musik eigentlich sehr, die Relevanz des Zwischenmenschlichen wurde zu sehr vernachlässigt.

Haben Sie einen besonderen CD-, Buch-, Musik-, Streaming-, Handarbeits-Tipp für all uns Stubenhocker wider Willen?

Dostojewski "Weiße Nächte" - kein dickes Buch, aber eines meiner Lieblingsbücher.

© SZ vom 26.03.2020
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