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Kulturelles Trostpflaster:Nüchtern ermittelt

Von Cora Wucherer und Franziska Herrmann

So manche Geschichte hat man auf der Wiesn schon unaufgefordert von seinem fremden Sitznachbarn zusammen mit einer frischen Maß aufgetischt bekommen. Wer solche Geschichten vermisst, kann dieses Jahr zu literarischen Neuerscheinungen greifen. Zu "Der halbe Ruß" (Knaur) von Isolde Peters zum Beispiel: Daisy Dollinger aus Dachselkofen, Sekretärin der Münchner Staatsanwältin, ermittelt in ihrem ersten Fall. Vorm Hofbräuhaus liegt der tote Straßenmusiker Oleg Wodka. Seine Kollegen sind gegenüber der Polizei so stumm wie Steckerlfisch, also geht Daisy undercover. Will man ein wenig nüchterner über Bier unterhalten werden, liest man "Tage des Hopfens, Tage des Zorns" (Gmeiner). Darin erzählt Günther Thömmes, selbst Diplom-Braumeister, von dem Duell der deutschen gegen die englischen Bierbrauer: Im Jahr 1862 in München baut Gabriel Sedlmayr seine Spatenbrauerei erfolgreich zu einer der führenden Brauereien des Kontinents aus, während in England die Arbeiterbewegung erwacht und die Brauereien sich immer rücksichtsloser in einen knallharten Wettbewerb begeben.

© SZ vom 19.09.2020

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