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Kultur- und Kreativwirtschaft:Von Licht bis Moos

David Austing (re.) und Julian Tresowski verkaufen Tageslichtlampen.

(Foto: Catherina Hess)

Start-up darf ein Jahr lang Laden im Ruffinihaus betreiben

Von Laura Kaufmann

Ladeneröffnungen in Zeiten der Pandemie sind eine Sache für sich. Hinein darf kaum jemand, also findet das feierliche Tamtam einfach vor dem Geschäft statt. Auch an einem klammen Dezembernachmittag, an dem die Temperaturen kaum über den Gefrierpunkt klettern wollen. Immerhin kommt in der Dämmerung das Objekt hinter dem Schaufenster gleich viel besser zur Geltung: Eine Tageslichtlampe.

Mit der Renovierung des Ruffinihauses konnten die Ladenflächen so umstrukturiert werden, dass eine davon nun der hiesigen Kultur- und Kreativwirtschaft zur Verfügung gestellt werden kann. Architektur und Innenarchitektur, Design und Modedesign, das sind die Branchen, die den Pop-up-Laden zum Rindermarkt hin bespielen sollen. Den Anfang macht das Start-up "Heavn" mit seinem Produkt, das nicht besser in die Zeit passen könnte. "Wenn wir nicht heute die Eröffnung hätten, wären wir in der Produktion und würden mithelfen", sagt einer der beiden Unternehmer, Julian Tresowski. So gut läuft es gerade, wo halb München zuhause sitzt und die Rumpelkammer zum Home-Office umrüstet. Überzeugt hat die Stadt - genauer gesagt das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft - auch das Konzept, andere Münchner Manufakturen an der Ladenfläche teilhaben zu lassen. Neben den Tageslichtlampen sind wertige Schreibtische ausgestellt und Wandbilder aus Moos, die die Raumakustik verbessern sollen.

Für ein Jahr wird das Start-up nun den Laden am Rindermarkt betreiben. 500 Euro kalt zahlt es monatlich, für die Lage ist das sehr wenig. Ganz umsonst wolle man den Laden nicht hergeben, "das ist auch eine Frage der Wertschätzung", sagt Anne Gericke vom Kompetenzteam.

Der Start zu Pandemiezeiten hat für Heavn gute und schlechte Seiten. Natürlich könnte kaum ein Konzept besser in die Zeit passen, als Ideen für das Home-Office. Andererseits sind die Menschen verhalten, was das Shoppen in der Innenstadt angeht. Nach den zwei Jahren Sanierung, die beinahe 35 Millionen Euro gekostet haben, durften die Ladenbesitzer dieses Jahr wieder ins Ruffinihaus einziehen. Während das von Gabriel von Seidl geplante und von 1903 bis 1905 erbaute Gebäude wieder hergerichtet wurde, hatten sie ihre Waren, von Postkarten bis hin zu Anzügen, in Ausweichquartieren verkauft. Für die meisten bedeutete das einen Umsatzeinbruch. Dann kam Corona.

Ein Stockwerk über der Ladenzeile ist nun auch der neue sogenannte Creative Hub bestückt worden. Um die 40 Architekten und Spieleprogrammierer, Autoren und Designer haben hier einen günstigen Arbeitsplatz bekommen, auf ein bis zwei Jahre beschränkt. Damit kann das städtische Kompetenzteam, das die Kreativbranche der Stadt beraten und stärken soll, nun zusätzlich zu dem Laden im Rathaus, den momentan die Münchner Buchmacher bespielen, günstige, repräsentative Arbeitsplätze und Läden mitten in der Stadt bieten. Die Nachfrage ist da: Die Bewerbungen für die Nachfolge der Münchner Buchmacher stapeln sich schon auf Anne Gerickes Schreibtisch.

© SZ vom 04.12.2020
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