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Kultur in der Krise:Kunst in Not

6 Punkte

umfasst der "Akut-Katalog" von SPD, Grünen und FDP, um die bayerische Kultur durch die Pandemie zu bringen:

1. die Fortschreibung der Solo-Selbstständigen-Hilfe,

2. einen Stufenplan für den Kultursommer,

3. einen Ausfall-Fonds,

4. die Anerkennung der Gäste-Registrierung,

5. den Wieder-Start nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und

6. eine Publikumsoffensive zur Vertrauensbildung.

Landtagsopposition fordert weitere Hilfe

Von Michael Zirnstein

Während die Opposition auf einer Pressekonferenz im Landtag die Corona-Kulturpolitik der Staatsregierung kritisierte, sandte Kunstminister Bernd Sibler, CSU, eine Mitteilung an die Medien: Darin zog er die erste Bilanz 2021 über die Notprogramme für Kulturschaffende. Diese würden "gut angenommen", erklärte er: Seit Start am 18. Dezember seien 2700 Anträge gestellt worden, 400 Betroffenen habe man insgesamt 1,1 Millionen bewilligt. Und er betonte, dass Anträge auf bis zu 1180 Euro monatlich für Oktober bis Dezember bis zum 31. März rückwirkend eingereicht werden können.

Dies so offen zu bewerben, hatten die Kultursprecher der Oppositionsparteien just gefordert. Dennoch konnte Sibler einen Vorwurf nicht entkräften: Seit 1. Januar gibt es keine staatliche Unterstützung mehr für Soloselbstständige in der Kulturbranche. Diese müsse sofort bis April verlängert werden, so steht es ganz oben im "6-Punkte-Akut-Katalog für die Bayerische Kunst- und Kulturszene", den SPD, Grüne und FDP nun vorgestellt haben. In einer Allianz hatten sie Kulturschaffenden ein Fragenkonvolut zur eigenen Lage zugeschickt. Die 26 Antwortschreiben "von hoher Qualität" sowie die zehn Stellungnahmen bei einer Sachverständigenanhörung am 15. Dezember im Landtag vom Pop-Veranstalter bis zum Augsburger Kulturreferenten, vom Laientheaterverbandschef bis zum Filmregisseur hätten erstmals eine detaillierte Situationsbeschreibung über die Kultur in Bayern erbracht, erklärte Volkmar Halbleib, SPD. Und sie zeigten "wie ein Brennglas die strukturellen Versäumnisse der Vergangenheit" auf, befand Sanne Kurz, Grüne. In all der Vielfalt entdeckte Wolfgang Heubisch einen Kern des Klagens: "Wird sich dramatisch nichts ändern, werden wir nicht mehr lange überleben." Außer staatlichen Hilfen fordert die Opposition daher vor allem Öffnungsperspektiven, etwa einen Stufenplan, nach dem Veranstalter je nach Inzidenzwert eigenmächtig agieren können, oder einen Kulturfonds wie in der Filmwirtschaft, der ihre Fixkosten bei Corona-bedingten Ausfällen absichert. Und wer seine Gäste digital registriert, gut lüftet oder viel Platz hat, soll nach wissenschaftlichen Erkenntnissen auch mehr Publikum einlassen dürfen.

Ob Geimpfte Vorzüge genießen sollen, darüber war sich die Allianz uneins: Ja, fand der Liberale Heubisch; man dürfe da niemanden diskriminieren, auch die bisher solidarischen jungen Menschen nicht, sagte Kurz; man müsse erst abwarten, ob Impfungen die Viren-Weitergabe überhaupt verhindern, erklärte Halbleib, wichtig sei zu vermitteln, dass die Kulturorte sicher seien.

© SZ vom 16.01.2021
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