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Kreative können sich austoben:Bunt gemischte Gesellschaft

Kunst, Konzerte, ein Indoor-Spielplatz und ein Tummelplatz für Computerspieler: The Hub Schwabing darf die Zwischennutzung in der einstigen Fakultät für Design organisieren, die im September startet

Ganz schön staubig hier. Die Fensterbänke, der Boden - über allem liegt eine dünne Schicht. Kein Wunder, schließlich stand das Gebäude in der Infanteriestraße 14, in dem sich einst die Fakultät für Design der Hochschule München befunden hatte, lange leer. In nicht allzu ferner Zukunft wird es abgerissen, dann werden an dieser Stelle, unweit von Olympiapark und Kreativquartier, Wohnungen entstehen. Eigentumswohnungen im gehobenen Preissegment und "mit internationalen Standards", wie es auf der Webseite der Immobilienfirma Bauwerk heißt.

"Alte Hasen im Zwischennutzungsgeschäft": Andreas Brestrich (l.) und Raiko Schwalbe in einem Raum, dessen Decke noch Spuren der Design-Hochschule aufweist.

(Foto: Catherina Hess)

Bevor hier aber eine Spielwiese für die entsteht, die nicht wissen, wohin mit all ihrem Geld, soll es für anderthalb Monate - vom 12. September bis 3. November - noch eine Spielwiese geben für jene, die wissen, wohin mit all ihrer Kreativität. Deshalb hat der Bauherr eine Ausschreibung initiiert, Motto: "5000 Quadratmeter für Münchens Ideen". 45 Einsendungen hat es gegeben, am Dienstag haben sie den Gewinner verkündet: The Hub Schwabing. Dahinter stehen Raiko Schwalbe und Andreas Brestrich, die Sven Disser, Projektleiter bei Bauwerk, als "alte Hasen im Zwischennutzungsgeschäft" vorstellt, Schwalbe ist sonst bekannt als Macher der Kunstmesse Artmuc. Alte Hasen hin oder her, ihr Konzept hat die Jury umgehauen, weil es eben nicht nur aus Dingen besteht, die es so oder so ähnlich schon mal gab in München, sondern Neues hinein- und vieles zusammenbringt. Was ihnen vorschwebt, ist ein Haus mit Kunst, Konzerten und Tanz, mit Sport und einem Indoorspielplatz, mit Mode, Gastronomie und einem Biergarten hinterm Haus. Ein Zwischennutzungs-Gemischtwarenladen sozusagen, für alle Alters- und Interessensgruppen.

Bald werden hier Wohnungen gebaut, doch vorher wird die Infanteriestraße 14 noch zum Kreativ-Ort.

(Foto: Catherina Hess)

In der Jury saßen neben Vertretern des Bauherrn die Münchner Kommunalreferentin Kristina Frank, die Stadträtin Renate Kürzdörfer, der Graffitikünstler Loomit, der Schauspieler Max von Thun und Marco Eisenack, Herausgeber des Stadtmagazins Mucbook. The Hub Schwabing schnitt bei allen Kriterien - darunter Originalität, Dauer der Zwischennutzung, Realisierbarkeit, Öffentlichkeitswirksamkeit - am besten ab. Damit aber nicht alle anderen Ideen einfach so verpuffen, habe man spontan beschlossen, das Preisgeld von 15 000 auf 30 000 Euro zu erhöhen, sagt Bauwerk-Geschäftsführer Christoph Lemp - "weil wir so fasziniert waren von den Einreichungen". Auf diese Weise werden nun neben dem Gewinner noch vier weitere Projekte unterstützt, die sogenannte Shortlist. Sie bekommen jeweils einen Raum für ihr Vorhaben oder schließen sich mit The Hub zusammen. Dazu gehört die Spielscheune, ein Indoorspielplatz für Kinder, eine Privatperson hatte die Idee eingereicht. "Wir waren uns einig, dass es gar nicht genug Angebote geben kann für kleine Kinder", sagt Max von Thun dazu, Kristina Frank pflichtet ihm bei: "So etwas fehlt in München in der City, gerade als Schlechtwetteralternative." Ebenfalls realisiert werden die Projekte Fashion Hacks, bei dem es um Nachhaltigkeit in der Mode geht, The Eden Project, eine Art ökologische Ausstellung, und das Projekt Munich E-Sports Community Events, bei dem es um wettbewerbsmäßiges Computerspielen geht. Bei Profiturnieren in diesem Bereich werden mittlerweile Preisgelder in Millionenhöhe ausgelobt. Es ist ein gigantischer Markt - und eine Freizeitbeschäftigung, die in Zukunft vermutlich noch an Bedeutung gewinnen wird. Auch im Konzept des Gewinnerteams von The Hub spielt das Thema eine große Rolle; das komplette vierte und oberste Geschoss wollen sie damit füllen. Das dritte Obergeschoss wird den Künstlern gehören, hauptsächlich aus der Region, aber auch aus Frankreich, Belgien und der Schweiz. "Wir wollen das ganze Stockwerk mit digitaler und multimedialer Kunst bespielen", sagt Raiko Schwalbe, das habe es so in München noch nicht gegeben. Eine Neuheit sei übrigens auch, dass ein privater Investor Räumlichkeiten für eine solche Zwischennutzung zur Verfügung stelle - das kenne er auch nicht aus seiner Heimatstadt Berlin. Irgendwie fragt man sich, warum. Bessere Imagepflege, bessere PR könnte sich ein Investor ja kaum wünschen.

Es wird Kunst-Workshops für Kinder geben, etwa zum Action Painting nach Jackson Pollock. Es wird Yoga und Boxen geben, Kung-Fu und Indoorgolf, vielleicht sogar eine kleine Eisfläche. Noch läuft die Genehmigungsphase. Von Donnerstag bis Sonntag sollen Konzerte stattfinden, Klassik, Jazz, Rock. Musiker können sich noch bewerben. Es wird einen Skatepark geben, Workshops zum Guerilla Gardening, einen Marktplatz für Mode und Essen.

Zum Schluss eine kleine Führung durch das Haus mit Sven Disser von der Firma Bauwerk. An den Wänden und Fenstern Überbleibsel von den Schülern der Design-Hochschule. Große Räume, kleine Räume, tolle Räume. Noch staubig, bald lebendig, irgendwann Schutt. Ob er glaube, dass sich das Publikum des geplanten Kreativgewimmels mit den künftigen Wohnungskäufern überschneide? Disser wiegt den Kopf hin und her: "Eher nicht."