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Konzertreihe:Das Ziel im Blick

Philipp Schiepek

Gut vorbereitet: Im Quartett hat Philipp Schiepek sein Debüt-Album veröffentlicht. Er hat viel gespielt und an seinem Profil gearbeitet.

(Foto: Ralf Dombrowski)

Der junge Gitarrist Philipp Schiepek gestaltet in der Unterfahrt eine "Jazz Summer Week"

Von Ralf Dombrowski

Philipp Schiepek beklagt sich nicht. Er wundert sich eher. Denn während manche Kollegen mit der Verlangsamung der Musikwelt kämpfen, scheinen sich für den in München lebenden Gitarristen die Entwicklungen eher zu beschleunigen. Vor ein paar Tagen erst bekam er den "BMW Welt Young Artist Jazz Award 2020" als Förderpreis für einen vielversprechenden Jungkünstler zugedacht. Während der vorangegangenen Lockdown-Wochen tauchte er regelmäßig in wechselnden Besetzungen bei Streams und Konzerten auf, an der Seite von Thomas Ganzenmüller oder Vincent Eberle, im Duo mit Alma Naidu oder mit eigenem Trio. Die "Jazz Fridays" in Regensburg buchten ihn solo, und als die Hochschule für Musik und Theater eine Dozentenband für ihr Semesterabschlusskonzert zusammenstellte, wurde er als Alumnus aus den Master-Reihen in die Combo der Professoren geladen. Viele Knoten scheinen sich derzeit zu entwirren, das Risiko, mit dem Schiepek seine Ausbildung begann, löst sich in Wohlgefallen auf.

"Als ich mit 16 Jahren beschloss, mit der Schule aufzuhören, um gleich Musik zu studieren, war die Bedingung meiner Eltern, dass ich trotzdem einen Abschluss machen sollte", erinnert er sich an die Phase der jugendlichen Orientierung. "Da man in Bayern mit dem Hochschulabschluss automatisch auch sein Abitur in der Tasche hat, ergab sich das ganz von alleine".

Zielstrebig fand Schiepek von seiner Heimatstadt Dinkelsbühl den Weg nach Würzburg und weiter nach München, wo man ihm vor zwei Jahren die Master-Urkunde überreichte. Seitdem orientiert er sich, hat ein Album-Debüt im Quartett veröffentlicht, überall ein bisschen gespielt und an seinem Profil gearbeitet. Als dann der Lockdown die bereits einsetzende Profi-Hektik herunterkühlte, war der Einschnitt gar nicht so gravierend: "Das mag seltsam klingen, aber ich habe es auch als angenehm empfunden, ohne den Druck im Nacken komponieren zu können, bei den nächsten Probe gleich zwei neue Stücke abliefern zu müssen. Außerdem habe ich jetzt viel Zeit, mit meinem neuen Quartett das aktuelle Programm vorzubereiten. Normalerweise wären alle Musiker kurz auf knapp gekommen, weil ausgebucht. So aber können wir bequem zwei Tage lang für unseren Auftritte in der Unterfahrt proben."

Wenn Philipp Schiepek seine "Jazz Summer Week" auf der Bühne in der Einsteinstraße beginnt, hat er den Tenorsaxofonisten Jason Seizer, den in Berlin lebenden Bassisten Matthias Pichler und den Kölner Schlagzeuger Fabian Arends an seiner Seite. Das Programm ist neu für diese Gruppe und Gelegenheit geschrieben, fünfmal ist es bis Samstag jeweils von 20.30 Uhr an mit kleinem Publikum in der Unterfahrt zu erleben, am Freitag auch via Stream weltweit im Internet über die Youtube- und Facebook-Kanäle des Clubs.

Nach dieser Konzertserie schließt der Jazzclub für zwei Wochen seinen Pforten und knipst die Kameras aus, um dann von 1. September an mit verschiedenen Bands des Pianisten und Organisten Matthias Bublath in den Jazzherbst zu starten. Einige weitere Termine etwa mit der Sängerin Cécile Verny (11. September) oder ihre Kollegin Jenny Evans (23. September) stehen im Anschluss daran schon fest, mehr Planungssicherheit lässt Corona noch nicht zu.

Philipp Schiepek Quartett, Di., 11., bis Sa., 15. August, 20.30 Uhr, Unterfahrt, Einsteinstraße 42

© SZ vom 11.08.2020

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