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Konzern:Verweile doch, es war so schön

In seiner neuen "World of Light" will Osram vor allem zeigen, wo es seine Zukunft sieht: in moderner LED-Technik. Denn noch zu viele Menschen verbänden das Unternehmen nur mit Glühbirnen - so wie es Wirtschaftsministerin Ilse Aigner bei der Eröffnung prompt beweist

Aus den Lautsprechern dröhnt Swedish House Mafia, die Schweinwerfer wechseln so schnell wie in einer Großraumdisco, aber Ilse Aigner (CSU) bleibt sitzen. Neben der bayerischen Wirtschaftsministerin hat Olaf Berlien Platz genommen, der Vorstandsvorsitzende von Osram, er will der Politikerin zeigen, was seine Firma "noch so macht". Aigner nämlich hat gerade noch von den Glühbirnen erzählt, die sie im Geschäft ihrer Eltern sortierte; mit denen aber will man bei Osram schon lange nicht mehr verbunden werden. "Wir sind Hightech", sagt Berlien. Und dann: "Noch ein Song?" Aigner nickt. Noch ein Song.

Berlien eröffnet an diesem Dienstag die "World of Light" im Münchner Norden, teils Museum, teils Showroom. Vor drei Jahren ist Osram hierhergezogen, gegenüber sitzt Amazon, im gleichen Viertel IBM und Microsoft. In der Lichtwelt stehen die Glühbirnen nun hinten im Dunkeln, im vorderen Teil dagegen liest man von "Smart City", "Smart Building", "Smart Home". Der Vorstandschef Berlien nennt immer wieder diese eine Zahl: Drei Patente pro Tag melde Osram im Schnitt an. Sein Unternehmen stehe heute zum Beispiel für den Iris-Scan, also für Infrarot-Leuchtdioden, die das Auge auslesen. Er wisse schon, viele Münchner dächten noch immer an die Glühbirne, an den Schriftzug am Stachus, "Osram - so hell wie der Lichte Tag". In ein paar Jahren aber werde sich das ändern, sagt Berlien, dabei soll auch die "World of Light" helfen. Sie soll den Kunden zeigen, was Osram war. Und was Osram heute ist.

Im Jahr 1906 meldete Carl Auer von Welsbach beim Kaiserlichen Patentamt Osram als Warenzeichen an. Damit beginnt der hintere Teil der Ausstellung - "Heritage Room" nennen sie den hier, den Raum vom Erbe. Osram macht heute 3,7 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, hat sich von seinem Geschäft mit Lampen und Leuchtröhren getrennt und an chinesische Investoren verkauft. Die Firma setzt jetzt auf LED-Chips. Von den 1970er-Jahren an war Osram eine Tochter von Siemens, vor vier Jahren aber trennte sich der Konzern, verkaufte die letzten Anteile von 17,5 Prozent erst Anfang des Monats. Den Plan, sich auf LED zu spezialisieren, hielt man bei Siemens für riskant. Olaf Berlien aber erzählt von vollen Auftragsbüchern, von den Handyherstellern, den Autoherstellern - "irgendwann sperren Sie ihr Auto nicht mehr mit einem Schlüssel auf, sondern mit dem Iris-Scan".

Er steht mit der Wirtschaftsministerin nun im "Heritage-Room", vor drei Papierstapeln, die sollen alle 17 000 Patentanmeldungen von Osram verdeutlichen. "Und machen Sie dann aus den Patenten auch was?", fragt Aigner. Selbstverständlich, Berlien nickt, außerdem sei es wichtig, sich schon früh das jeweilige Gebiet zu sichern, bevor man wisse, wo es hingehe. Die Ministerin aber blickt schon wieder nach links, zu den historischen Werbeplakaten, sagt: "Genauso sahen die bei uns im Laden aus." Sie meint die Glühbirnen.

© SZ vom 25.10.2017
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