Kommunikation von Jugendlichen auf Facebook Wer ist die Beliebteste?

Auch Saskia (Name geändert), eine 15-jährige Gymnasiastin in München, hat eine Facebook-Seite mit Einträgen wie "Du bist mir total wichtiiiig" und "Ich will dich nie nie verlieren, du Süüüüßi!!". "Postet man ein neues Foto von sich, ist es wichtig, dass man möglichst schnell möglichst viele Kommentare und Likes sammelt", sagt sie. Daran wird gemessen, wie beliebt ein Mädchen ist.

Aber auch Streitigkeiten und die darauf folgende Versöhnung werden auf Facebook öffentlich ausgetragen. "Das ist besser als jede Fernsehserie", sagt Saskia lachend, die das Ganze von der spielerischen Seite sieht.

Voigt hat die gleichen Beobachtungen gemacht: "Früher hingen in den Kinderzimmern Poster von Rihanna und Katy Perry, heute machen sich die Mädchen ihre eigene Daily Soap, in der sie aktiv mitwirken." Mehr als 1000 Gästebucheinträge, mehr als 2000 Screenshots und 650 Videos hat Voigt unter anderem für seine Arbeit gesammelt. Als teilnehmender Beobachter ist er im Auftrag der Wissenschaft im Netz unterwegs, sucht aber laufend neues Material für seine Forschungen (wer hierfür Beiträge oder Bilder zur Verfügung stellen will, kann sich an abff.projekt@gmail.com wenden).

Öffentliche Liebesbekenntnisse an die beste Freundin: Küsschen, Händchenhalten und natürlich Facebook-Posts.

(Foto: oh)

In einer Beziehung mit Hanni und Nanni

Eltern und Lehrer bestätigen den von Voigt beobachteten Kulturwandel. Lehrer erzählen von Schülerinnen, die einander auf dem Schoß sitzen, Händchen halten, sich Küsschen geben und ständig mit dem Smartphone hantieren. Und auch so manchen Eltern ist aufgefallen, dass ihre Tochter auf Facebook plötzlich als Status "in einer Beziehung" angibt. Diese Beziehung entpuppt sich dann als Hanni oder Nanni.

"Die Schulmädchen spielen absichtlich mit homoerotischen Klischees", sagt Voigt. Zu werten ist das aber nicht als lesbische Neigung, sondern in den meisten Fällen als Freundschaftsgeste, die einfach dazugehört. Außerdem seien solche Intimitäten durchaus auch erotisches Kalkül. So machten sich die Freundinnen für Jungs interessanter, glaubt Voigt.

Die symbiotische Schulmädchenfreundschaft endet in der Regel, wenn sich eines der Mädchen in einen Jungen verliebt. Kommt das andere Geschlecht ins Spiel, hat die allerbeste Freundin ausgedient.