Kommentar:Schluss mit der Salamitaktik

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Es sollte mehr um das "Wie" und weniger um das "Ob" gehen: Die Bürger akzeptieren den Kiesabbau im Neurieder Wald, Grundeigentümer und Abbauunternehmer lassen im Gegenzug eine Umweltverträglichkeitsprüfung über sich ergehen und verpflichten sich zum Schutz der Umwelt

Von Johannes Korsche

Salamitaktik ist leider nie so bekömmlich, wie ihr Name vermuten lässt. Daran ändert sich auch nichts, wenn es - in Gestalt der Heiliggeistspital- Stiftung, ein eigentlich ganz sympathischer Koch ist, der das Schnitzeln übernimmt. Deren Stiftungsverwaltung schreibt Stück für Stück ihre Flächen im Forst Kasten zum Auskiesen aus, das bisher letzte Scheibchen ist etwa 9,5 Hektar groß. Ein Zufall dürfte es nicht sein, dass eine Prüfung, wie umweltverträglich so ein Vorhaben ist, erst vom zehnten Hektar an in Betracht kommt und erst mit dem 25. Hektar verpflichtend ist.

Insgesamt gehören der Stiftung 45 Hektar Grund im Wald zwischen Neuried und Planegg, auf dem der Kiestagebau möglich ist. Zu glauben, dass die Abbaufläche künftig nicht ausgereizt wird, ist bestenfalls naiv. Mit der Taktik, sich einen Betreiber für stets nicht ganz zehn Hektar große Portionen zu suchen, entzieht sich die Stiftung der eigentlich fälligen Umweltschutzprüfung. Das ist ihr Recht, besonders redlich ist es nicht. Dass die Heiliggeistspital-Stiftung mit ihrem Grund Geld verdienen will, ja muss, ist verständlich. Die Stiftung hat den Zweck, zur Finanzierung eines Münchner Altenheims beizutragen. Und wer möchte eine gute Altersbetreuung gegen Naturschutz und Naherholung ausspielen? Zumal sich dieser Tagebau ohnehin kaum verhindern ließe.

Bei der Debatte um den Kiesabbau im Neurieder Wald sollte es also mehr um das "Wie" und nicht um das "Ob" gehen. Diese Debatte funktioniert allerdings nur, wenn sowohl Bürger als auch Stiftung sich ein Stück entgegen kommen. Die einen akzeptieren den Kiesabbau, die anderen schreiben ihre gesamte Fläche auf einmal aus und lassen eine Umweltverträglichkeitsprüfung über sich ergehen.

Darüber hinaus sollten sich die Stiftung sowie das künftige Abbauunternehmen zum strengen Schutz des Waldes und der Anwohner verpflichten. Auch der nahe Waldkindergarten darf durch neue Auskiesungen nicht in Gefahr geraten. Am besten trifft man sich wohl zum Gespräch bei einer Brotzeit - Salamischeiben sind auf dem Brotzeitbrettl eh viel besser aufgehoben.

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