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Kommentar:Kein Blick fürs Ganze

Das Beispiel Ludlstraße zeigt einmal mehr, dass Verkehrsentscheidungen oft nur kleinräumlich begründet werden

Die Zahlen hören sich ganz harmlos an: Hier 150 bis 250 Fahrzeuge Mehrbelastung, dort 2200 Fahrbeziehungen am Tag. Das Fazit der Stadträte im Planungsausschuss: Ein Verkehrseingriff, der neu angesiedelten Hadernern durchaus zugute kommt, ist für die übrigen Anwohner, auch die aus der Laimer Nachbarschaft, verkraftbar - ohne Rücksicht darauf, dass die Sperre der Ludlstraße für manchen das Quartier zur Mausefalle werden lässt.

Vorrang für Fußgänger und für Radfahrer ist gerade ganz oben auf der städtischen Agenda - kein Wunder, dass ein vor allem rot-grüner Pakt auch die am Donnerstagabend besiegelte Verkehrsmaßnahme begünstigt hat. Zu hinterfragen ist in diesem, wie in vielen ähnlich gelagerten Fällen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, wie eine Betrachtung der lediglich kleinräumlichen Wegebeziehungen Entscheidungen begründen kann, ohne die Auswirkungen im ganz großen Zusammenhang zu sehen. Dieses Versäumnis, das auf der geltenden Gesetzeslage fußt, hat zu den Verkehrsverhältnissen geführt, die wir derzeit nahezu täglich beklagen auf den großen Verkehrsachsen dieser Stadt.

Dass der Laimer Bezirksausschuss-Vorsitzende angesichts offenkundig festgezurrter Positionen auf sein Rederecht verzichtet hat, ist zu bedauern. Zumindest hätte man die Bedenken aus dem Viertel so deutlich machen können. Das Grundproblem, dass oft die Gesamtschau fehlt, wird in den kommenden Jahren noch reichlich Zündstoff generieren - gerade wenn die unterschiedlichen Verkehrsmittel gegeneinander ausgespielt werden. Radweg oder Parkplatz, zweispurige Autostraßen oder mehr Aufenthaltsqualität? Wer das Konfliktpotenzial dieses Verdrängungswettbewerbs unterschätzt, wird feststellen, dass Projekte, die eigentlich viele Bürger unterstützen, womöglich auf der Strecke bleiben. Da wird eine Seilbahn, die über den Stau hinweg schwebt, auch nicht die Lösung sein.