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Kommentar:In der Zwickmühle

Das Nein im Bezirksausschuss zum Weiterbau von Freiham zeigt, dass weiteres Wachstum im Münchner Westen nur mit einer ausreichenden Verkehrsinfrastruktur möglich ist

Von Thomas Kronewiter

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht, heißt es im Sprichwort. In Münchens westlichstem Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied ist er jetzt zerbrochen. Seit Mai haben sich die Lokalpolitiker mit dem zweiten Realisierungsabschnitt für Freiham abgeplagt, haben das ihnen vorgelegte Papier immer wieder vertagt. Am Mittwochabend haben sie, zur Abstimmung gedrängt, den Weiterbau in Münchens größtem Siedlungsgebiet abgelehnt.

Das muss für die Realisierung des Projekts noch nicht viel heißen. Denn Stadtbaurätin Elisabeth Merk kann ihren Beschluss trotzdem dem Stadtrat vorlegen, der die Entscheidung zu treffen hat. Die Ausgangslage ist dennoch nicht ganz einfach - nicht für die Stadtbaurätin, der es offenkundig wichtig ist, das Projekt angesichts künftig unklarer Mehrheitsverhältnisse noch dem amtierenden Stadtrat vorzulegen. Nicht für den Stadtrat, dem die geballte Wut aus dem Westen spätestens am Wahltag entgegenschlagen dürfte, sollte er das Vorhaben ohne Rücksicht auf die Bedenken im Viertel durchpeitschen. Und nicht für die Stadtteilvertreter, die sich vermutlich des Vorwurfs aus dem Rathaus erwehren müssten, sie hätten nur ihr Viertel und nicht das städtische Gesamtwohl im Auge.

Leicht gemacht haben es sich die Bezirksausschuss-Mitglieder jedenfalls nicht. Seit Jahren betteln sie darum, dass nicht bloß die angestrebte Einwohnerzahl in Freiham stetig wächst, sondern auch die Infrastruktur - vom Nachbarschaftstreff bis zur Verkehrsanbindung. Bis jetzt haben sie das ambitionierte Vorhaben auch mitgetragen - in der Hoffnung, dass sich Politiker und Verwaltung, wie bei der Verlängerung der U 5, noch etwas einfallen lassen. Nun haben sie den Eindruck, dass ihnen Freiham über den Kopf wächst, nicht mehr verdrängen können.

© SZ vom 13.12.2019
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