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Kommentar:Ein bisschen Fortschritt

Einige S-Bahn-Linien fahren jetzt auch freitags im Zehn-Minuten-Takt. Das ist besser als nichts. Aber was wurde eigentlich aus den vielen anderen Punkten, die seit vier Jahren in einem "Sofortprogramm" vor sich hin schlummern?

Es kommt selten vor, dass im Münchner Nahverkehr tatsächlich mal etwas vorangeht. Daher ist es ausdrücklich zu loben, dass sich Bahn und Freistaat endlich auf eine Ausdehnung des Zehn-Minuten-Takts bei der S-Bahn auch am Freitagnachmittag geeinigt haben. Schließlich war es vielen Pendlern nicht zu erklären, warum sie donnerstagnachmittags alle zehn Minuten nach Hause kamen, 24 Stunden später aber nicht. Selbst Bahn-Führungskräfte sollen, so wird's in Nahverkehrskreisen erzählt, schon freitags zum Bahnsteig gehetzt sein - um dann festzustellen, dass der Zug gar nicht fährt.

Zugleich muss man aber auch sagen, dass es lange gedauert hat, bis dieser kleine Verbesserungsschritt umgesetzt wurde - zu lange. Mehrmals hatten die Landräte in der Region die Ausdehnung des Angebots angemahnt, mehrmals unternahmen die Parteien im Landtag Vorstöße. Dass die Deutsche Bahn die Fahrplanerweiterung nun doch möglich macht, dürfte auch damit zusammenhängen, dass der Freistaat dem Konzern im Frühjahr eine weitreichende Vertragsverlängerung für den Betrieb der Münchner S-Bahn bis ins übernächste Jahrzehnt in Aussicht gestellt hat. Schade eigentlich, dass es Freistaat und Deutscher Bahn nur so gelingt, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Eigentlich müssten beide an einem Strang ziehen, um den Nahverkehr in München zu verbessern.

Umso mehr gilt es, den Schwung jetzt mitzunehmen. Nur mal so zur Erinnerung: Im Jahr 2012 hatte das Kabinett ein 13-Punkte-Sofortprogramm initiiert, mit dem der Betrieb der S-Bahn stabilisiert und in Teilen sogar ausgebaut werden sollte. Umgesetzt von diesen 13 Punkten ist mittlerweile einer - die Elektrifizierung der S-Bahn-Linie von Dachau nach Altomünster. An einem weiteren Punkt auf der Liste, der Neufahrner Schienenkurve westlich des Flughafens, wird immerhin seit 2014 gebaut. Alle anderen Punkte aber, die - der Name sagt es ja schon - eigentlich "sofort" hätten umgesetzt werden sollen, harren nach wie vor ihrer Realisierung. Darunter auch so wichtige Projekte wie die Sendlinger Spange, die bei Störungen im Tunnel die Umfahrung der Innenstadt erleichtern würde. Gerade in einer boomenden Region ist solcher Schlendrian mehr als fahrlässig.