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Kommentar:Chance auf höhere Recycling-Quoten

Die Idee eines Plastikmüll-Modellquartiers vorschnell als Aktionismus abzutun, wäre zu kurz gesprungen

Plastik erfährt derzeit sehr viel Beachtung. Eine wachsend interessierte Öffentlichkeit entwickelt auch in München ein Bewusstsein dafür, dass die Flut an Verpackungsmüll aus Kunststoff sich zu einem ernsten Problem auftürmt. Alle wissen es, und viele Bürger wollen etwas tun, schaffen aber zu wenig. Die Stadtverwaltung will dagegen erst einmal nichts tun, könnte aber viel mehr schaffen - zum Beispiel ernsthaft über den Vorschlag der Maxvorstädter Politiker nachdenken, ein Testgebiet für die gelbe Tonne einzuführen.

Es ist belegt, dass mit dem Wertstoffinsel-System in München erheblich weniger Plastikmüll eingesammelt wird als im übrigen Bayern. Im Schnitt 20 Kilo pro Kopf sind es jährlich im Freistaat - in München nur fünf Kilo, wie der Abfallwirtschaftsbetrieb München zuletzt bestätigte. Dabei ist die Kernstadt umringt von umtriebigen Recycling-Förderern. Garching wird als letzte von 29 Kommunen im Landkreis München bald das gelbe System einführen. Wenn das Kommunalreferat dagegen argumentiert, der ökologische Effekt von gelbem Sack oder gelber Tonne sei fraglich, ist dies eine wohlfeile Behauptung. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Anders gesagt: Wer die Recycling-Quote steigern will, muss den Bürgern das Wegwerfen des Plastikmülls bequemer machen - und ihnen den lästigen Weg zum öffentlichen Container ersparen. Der ist mitunter ziemlich weit, für Bürger in der Parkstadt Schwabing zum Beispiel, wo es gar keine Wertstoffinsel gibt.

Das Kommunalreferat sollte deshalb nicht weiter abwarten, bis irgendwelche "Entwicklungen" erkennbar sind - es gilt zu handeln, konkret: Der Behörde muss der Antrag des Bezirksausschusses Maxvorstadt ein Ansporn sein, den Logistikaufwand und die Kosten für ein Plastikmüll-Modellquartier genau zu untersuchen und baldmöglichst dem Stadtrat berichten. Gut möglich, dass das teuer wird, aber möglich ist so ein Testlauf durchaus, wie zumindest die Firma Remondis betont. Die Behörde kann sich also nicht auf geltende Verträge herausreden. Die Rathauspolitik hat es in der Hand, andere Ausschreibungsmodalitäten für die Entsorgungsfirmen vorzugeben.

Den Münchnern könnten dann am Ende mit den gelben Tonnen durchaus auch erhöhte Müllgebühren ins Haus stehen. Doch dieser Beitrag sollte es den Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Stadt wert sein; denn jedermann ist aufgerufen, seinen persönlichen Part zur Lösung des Plastik-Problems zu leisten.

© SZ vom 12.06.2019

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