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Kölner Oktoberfest:Ude packt den Schlegel wieder aus

Munich Mayor Ude taps first barrel of beer during opening ceremony for 180th Oktoberfest in Munich

Ozapft is: Christian Ude bei seinem letzten Einsatz auf der Wiesn im September 2013.

(Foto: REUTERS)

Auf dem Münchner Oktoberfest brachte er es zur Meisterschaft - zuletzt schaffte Christian Ude es mit zwei präzisen Schlägen. Nun soll Münchens Ex-Oberbürgermeister ein Fass Kölsch anzapfen. Warum das Kölner Oktoberfest auf den Altmeister setzt.

Ein Münchner Oberbürgermeister hat viele völlig unspektakuläre Amtspflichten. Aber einmal im Jahr ist ein Millionenpublikum Zeuge: beim Anzapfen des ersten Bierfasses auf der Wiesn. Wer hier unzählige Schläge braucht oder gar eine kräftige Bierdusche auslöst, kann sich dauerhaft blamieren, so untadelig seine Amtsführung sonst auch sein mag.

Der langjährige OB Christian Ude hat es im Anzapfen im Laufe der Zeit zu einer viel beneideten Meisterschaft gebracht. Zwei präzise Schläge, vielleicht noch ein halbes "Sicherheitsschlagerl" dazu, und die Sache war erledigt. Bis zuletzt schwang die Hoffnung mit, Ude werde es sogar mit einem einzigen Schlag schaffen, aber den Weltrekordversuch hat er dann doch nicht gewagt.

Nun ist zwar die Wiesn nach Auffassung der meisten Einheimischen einzigartig auf der Welt, aber Bierfeste gibt es natürlich allerorten. Warum sollte also die elegante Anzapftechnik des Linkshänders Ude einrosten, Gastspiele in fremden Zelten bieten sich geradezu an, zumal der Mann jetzt ja jede Menge Zeit hat. Das haben sich auch die Veranstalter des Kölner Oktoberfestes gedacht und lassen den Altmeister aus München zum Anzapfen anreisen.

Dort muss Ude jetzt ein Fass Kölsch anzapfen, mit 50 Litern allenfalls eine lässige Fingerübung, gemessen an den 200-Liter-Ungetümen auf der Wiesn. Die Kölner hätten ihn in den vergangenen Jahren immer wieder eingeladen, erzählt Ude, aber das sei stets an Terminproblemen gescheitert, genauso wie ähnliche Anfragen aus der amerikanischen Partnerstadt Cincinnati.

Neu sind Auswärtsspiele für Ude trotzdem nicht, im Gegenteil, er war schon weltweit im Einsatz. Denn außer beim Hamburger Dom hat Ude auch schon in Rom angezapft, da ist er hochoffiziell von der Deutschen Botschaft eingeladen worden. Seinen skurrilsten Einsatz hatte er in den Neunzigerjahren während einer USA-Reise in Washington.

Die Gastgeber dort hatten sich besondere Mühe gegeben und die Tische mit weiß-blauen Decken drapiert. Zu essen gab es Schwarzwälder Kirschtorte und Sauerkraut, erinnert sich Ude. Damals musste halt noch ohne Internet recherchiert werden. Das wird in Köln natürlich nicht passieren. Auf den Ein-Schlag-Weltrekord müssen sie am Rhein allerdings verzichten. "Auf gar keinen Fall", wehrt Ude ab, "das bleibt dem Oktoberfest vorbehalten."

© SZ vom 09.07.2014

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