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Kindergräber aus dem Frühmittelalter:Sensationsfund im Gewerbegebiet

Seltener Fund am Ortstrand der heutigen Gemeinde Langenpreising: Zwei Kindergräber sind freigelegt worden.

(Foto: Robert Haas)

So einen Fund machen Archäologen selten: Zwei unversehrte Kindergräber aus dem 7. Jahrhundert kommen bei Erschließungsarbeiten im Landkreis Erding ans Tageslicht. Die Ausstattung der Gräber ist einzigartig.

Von Hans Kratzer, Langenpreising

Zwei tote Kinder halten zurzeit die Archäologen und Restauratoren des Landesamts für Denkmalpflege in Atem. Gefunden wurden sie im Sommer im Boden eines Gewerbegebiet am Ortsrand von Langenpreising (Landkreis Erding). Nach ersten Untersuchungen steht nun fest, dass die frühmittelalterlichen Kindergräber zu den eindrucksvollsten archäologischen Funden zählen, die in den vergangenen Jahren in Bayern ans Tageslicht gekommen sind. "So einen Fall haben wir nur einmal in einer Generation", sagte Generalkonservator Mathias Pfeil am Donnerstag bei der Präsentation der Funde.

Bei den Toten handelt es sich um einen Buben und um ein Mädchen, beide dürften im 7. Jahrhundert jeweils im Alter von zweieinhalb bis vier Jahren gestorben sein. Einzigartig ist die Ausstattung der Gräber. Dem Mädchen wurde ein Band aus massivem Goldblech mit ins Grab gegeben, außerdem ist es in ein kostbares Gewand gekleidet, von dem sogar die unglaublich filigran gefertigten Goldfäden noch erhalten sind. Das massive Goldblech gehörte wahrscheinlich zu einem sehr seltenen sogenannten Goldblattkreuz.

Ein kleiner Krieger

Das Knabengrab enthält eine vollständige Waffenausstattung "en miniature", die ebenfalls auf eine hohe Abstammung des Kindes hindeutet. Das Skelett ist gesäumt von einem Kurzschwert, einer Lanzenspitze, einem Gürtel, und neben dem Becken liegt sogar ein Ei, das man dem Buben mit auf die letzte Reise gab. Hier wurde mit großem Aufwand ein kleiner Krieger begraben. Dass die Gräber unversehrt erhalten sind, ist ein Zufall. Das Mädchenskelett wurde im Inneren eines monumentalen Grabhügels freigelegt, der aber nur noch im Luftbild zu erkennen ist. Der Bub lag etwas abseits des Grabhügels.

Das ursprünglich reich ausgestattete Kriegergrab im Zentrum des Hügels ist schon vor langer Zeit von Plünderern ausgeräumt worden. Es ist aber nicht ganz leer. Die Grabräuber ließen einzelne silbervergoldete Schwertgurtbeschläge zurück. Sie gehörten zu einer in dieser Gegend ungewöhnlichen Waffe, einem zweischneidigen Schwert. "So etwas kennen wir eigentlich nur aus dem südenglischen Raum", sagt Jochen Haberstroh von der Abteilung Bodendenkmalpflege des Denkmalamts.

Die Funde von Langenpreising werfen viele Fragen auf, stammen sie doch aus der Frühzeit des Herzogtums Bayern, aus der man wenig weiß. Schriftliche Zeugnisse gibt es kaum, aber die Qualität der Beigaben lässt keinen Zweifel daran, dass hier herausragende Tote begraben wurden. Vermutlich standen sie zu Lebzeiten in der Rangfolge direkt unter den damaligen bayerischen Fürsten aus dem Geschlecht der Agilolfinger.

© SZ vom 26.09.2014/vewo

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