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Katholisches Erzbistum München:"Mein Vertrauen in die kirchliche Führung ist zerstört"

Das würde Pfarrer Peter Grün nicht unterschreiben: "Mein Vertrauen in die kirchliche Führung ist zerstört." Zumal das Ordinariat Vorgaben des ABD ignoriert habe. Dort ist festgelegt, der Mitarbeiter sei "unverzüglich über den Verdacht zu unterrichten, der sich aus der Kontrolle der Einhaltung der Nutzungsbeschränkung ergeben hat". Und dem Mitarbeiter sei "unverzüglich Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben". Die "unverzügliche Unterrichtung" dauerte mehrere Monate: Gescreent wurde im Oktober 2011, der Brief an Grün ging vier Monate später raus.

Auf die Frage, wie das Erzbistum zum Vorwurf stehe, es habe mit seinem Vorgehen unter Priestern Angst verbreitet, antwortet die Pressestelle: "Die Stichproben sind ein klar geregeltes, transparentes Verfahren und sollen lediglich einer missbräuchlichen Nutzung des dienstlichen Internetzugangs entgegenwirken. Solche Stichproben erfolgen in ähnlicher Form auch in vielen anderen Einrichtungen und Unternehmen im staatlichen wie im wirtschaftlichen Bereich."

Manche Firmen verzichten ganz auf solche Kontrolle der Internetnutzung ihrer Mitarbeiter. Andere sind dazu übergegangen, bestimmte Seiten auf den eigenen Servern zu sperren - soziale Netzwerke etwa, Auktionsplattformen und Ähnliches. Das Ordinariat hingegen teilt mit, eine Sperrung sei "technisch wenig praktikabel".

Folgenreich war der Fund von pornografischen Bildern auf einem Dienstcomputer für einen Kirchenmusiker im Januar 2009: Der Mann musste gehen. Der Diözesan-Pressesprecher ließ sich mit den Worten zitieren: "Pornografie und die musikalische Gestaltung von Messen, das geht nicht zusammen." Diesmal gab es keine Entlassungen. Generalvikar Beer gibt zu: Die Frage, ob die Demission des Musikers verhältnismäßig war, sei berechtigt.

© SZ vom 06.07.2013
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