Katholische Kirche Generalvikar stellt Zölibat infrage

Von Jakob Wetzel

Die katholische Kirche wirbt für ein Umdenken: Mit deutlichen Worten hat sich der Münchner Generalvikar Peter Beer, Verwaltungschef des Erzbistums München und Freising sowie Stellvertreter von Erzbischof Reinhard Marx, von Klerikalismus, Männerbünden und einer "nahezu unerträglichen Heuchelei" in der katholischen Sexualmoral distanziert. Dabei stellte Beer auch den Zölibat infrage. Er wünsche sich mehr Aufrichtigkeit, wenn Regeln nicht befolgt würden, sonst werde die Kirche als Ganzes unglaubwürdig, sagte er in einem am Montag auf der Internetseite der Kirche veröffentlichten Interview. Die Kirche müsse anerkennen, dass es homosexuelle Geistliche ebenso gebe wie schwule und lesbische Mitarbeiter an anderen Stellen in der Kirche. Zudem müsse sichergestellt werden, dass der Zölibat nicht eine Flucht vor der eigenen Sexualität bedeute und als Verlust erlebt werde, den die Betroffenen durch Geld und Macht kompensieren müssten. "Sollte es nicht möglich sein, solche negativen Ausprägungen von zölibatärem Leben weitgehend zu vermeiden, dann sollte man es aber wirklich sein lassen."

Eine seit 2013 erstellte Studie hat offengelegt, dass sich von 1946 bis 2014 mindestens 1670 katholische Geistliche an Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, warb zuletzt bereits für einen Neuanfang: Viele Menschen würden der Kirche nicht mehr glauben, er verstehe das, sagte er etwa bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda. Die Kirche müsse hinsehen, verstehen und Konsequenzen ziehen.