Kneipe Schwabing "Jennerwein" Alpenkitsch und Diva Desaster

Und: mit Musik geht alles besser: auf der Internetseite www.zumjennerwein.de findet der geneigte User ein Programm, das wonnige Nächte verspricht: da gibt es "Diva Desaster - Heiße Songs, cool gemixt von Sonja und Heidi", dann "Musik für Biertrinker Spezial", "Tea Time Tales" oder ein gewisser "DJ Staatsrat" gibt den Ton an. Auch der Chef legt auf, und dann wären da noch "Albert, der macht Elektro, und Philip, der macht Hiphop", sagt Bernhard. "Aber sonst sind wir als Indie-Rock-Kneipe bekannt."

Bernhard Steinweg ist Wirt mit Leib und Seele. Er ist der Chef in der Schwabinger Kneipe "Zum Jennerwein".

(Foto: Foto: Auginski)

Highlife in Berlin

Bernhard erwähnt, dass er am Wochenende auch rauche und trinke: "Und nicht zu wenig." Aber vermutlich hatte er seine verrückteste Wirte-Zeit in Berlin, als die Mauer fiel und er im wilden Osten ein Haus besetzte: das Leben pulsierte in seiner illegalen Disco. Natürlich nur für Eingeweihte. Das Zauberwort hieß "Techno" und ließ die Mauern, die nicht gefallen waren, zumindest erzittern. Das war die Welt von Bernhard.

Und dann ging er noch zum Studieren, an die Berliner Universität, Musik- und Kulturwissenschaften. Thema der Abschlussarbeit: "Technik, Körperlichkeit und Realität als zentrale Aspekte der Technokultur". Es war ihm klar, dass aus dem Studium beruflich nichts zu machen war. Und er übernahm, zurück in München, im Jahr 2001 den Jennerwein.

Mord am Wildschütz'

Es gibt eine Geschichte, die geht so: "Jennerwein" hieß ein bayerischer Wilderer aus dem 19. Jahrhundert, der in den Schlierseer Bergen von königlich-bayerischen Forstbeamten hinterrücks erschossen wurde. Die Begleitumstände waren eigenartig: Die rechte große Zehe steckte im Abzug seines Gewehres und der Unterkiefer war zerschmettert. Ein Teil der Wange mit dem rechten Schnurrbart hing in den Ästen einer Fichte. Durch den mysteriösen Tod und vor allem durch die Schussverletzung im Rücken wurde der "Wildschütz' Jennerwein" zu einer Legende und Symbol der Auflehnung gegen die Obrigkeit. Bernhard Steinweg formuliert seine Beziehung zum Namensvetter seiner Kneipe vorsichtig: "Das Unangepasste entspricht mir etwas, das Sich-Reiben am Establishment". Dann lächelt er freundlich. Alltag im Jennerwein.

Zum Jennerwein Belgradstraße 27 80796 München www.zumjennerwein.de