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Jagd:Kampf um Image und Biodiversität

Die Richtungsfragen beim Bayerischen Jagdverband beschäftigen auch SZ-Leser

Der Bayerische Jagdverband steht vor Neuwahlen und eventuell auch einer Neuausrichtung zu Jagd und Naturschutz. Das Bild zeigt eine Gams.

(Foto: Ronald Wittek/dpa)

"Vor der Zerreißprobe" vom 9. Dezember über den Bayerischen Jagdverband:

Frevelhafte Effizienz

Wie gelangt der Autor zu der Erkenntnis, es herrsche Einigkeit unter Experten, dass es heute so viel Wild gebe wie nie zuvor? Diese Aussage trifft auf Schwarzwild sicher zu, bei Reh- und Rotwild ist sie jedoch äußerst zweifelhaft und beim Gamswild sogar erwiesenermaßen falsch. Letztgenannte Wildart wurde nämlich im Oktober 2020 vom Bundesamt für Naturschutz auf die Vorstufe der Roten Liste bedrohter Tierarten gesetzt. Grund dafür ist nicht jener Teil der Jägerschaft, den Herr Sebald der ewigen Gestrigkeit bezichtigt, sondern die Befürworter der strikten "Wald vor Wild" Linie, welche dann wohl die Vertreter der sogenannten modernen Jagd sein sollen.

Weitere Frage: Gegen welche effizienten und zugleich tierschutzgerechten Jagdmethoden setzt sich der Bayerische Jagdverband denn zur Wehr? Er kritisiert bestimmte, forstlich motivierte Drückjagden, bei denen der dreijährige Abschussplan für Rehwild, ohne Sinn und Verstand und ohne Rücksicht auf die Altersstruktur, an einem einzigen Tag erfüllt wird. Oder den in den oberbayerischen Voralpen großflächig zulässigen Abschuss von Gamswild während der Schonzeiten, welcher nach meiner juristischen Auffassung einen eklatanten Verstoß gegen die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie darstellt, die als Abschussvoraussetzung ein Monitoring für besonders geschützte Arten wie die Gams vorsieht. Herr Sebald hätte den Lesern durchaus erläutern dürfen, dass es die Vertreter der Land- und Forstwirtschaft sind, welche den Abschuss von führenden Elterntieren - der zu Recht als Frevel in der Jägerschaft gilt - im Zuge der Reform des Bundesjagdgesetzes von der Straftat zur Ordnungswidrigkeit herabstufen wollen. Denn es gilt, die vom Autor befürwortete Effizienz zu erreichen. Allerdings sollte man sich hüten, als Befürworter dieser Linie den Begriff "Tierschutz" im Munde zu führen.

Dr. Michael Pießkalla, München

Eigenartige Prioritäten

Nachhaltigkeit hat nicht erst die Forstwirtschaft erfunden. Unser kostbares Gut ist und bleibt unsere Biodiversität. Ob Reh, Gams, Hirsch oder Wildsau (und noch viele mehr) - bei allen handelt es sich um autochthone Arten, die schon immer hier in Bayern heimisch waren. Es ist grotesk die erhöhten Wildbestände den Jägern in die Schuhe zu legen und das permanent anzuprangern, ohne wirklich wissenschaftlich hieb und stichfest zu argumentieren. Das ist unverantwortlich auf dem Rücken der Wildtiere. Hierbei ist zu erwähnen, dass man das gerne im gleichen auf die Spitze treiben kann, denn die meisten unserer einjährigen Grassamenpflanzen, also unserer Hauptgetreidearten wie Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, aber auch Mais und Reis, stammen entweder aus dem Orient oder Amerika und China, genauso wie der Ackerbau. Kein Mensch kommt aber auf die absurde Idee, dies anzuprangern, wenn diese Pflanzen landesweit als Kulturpflanzen angebaut werden. Umgekehrt werden aber unsere einheimischen Wildarten als Fremdlinge bekämpft und vehement unterdrückt, weil sie in diesen vor mehreren tausend Jahren eingebrachten Kulturpflanzen angeblich existenzielle Schäden anrichten. Das Ganze wird jetzt bis ins unermessliche pervertiert, wie bei der Douglasie im Wald zu beobachten. Das Reh, das sich vor circa zehn Millionen Jahren entwickelte und seitdem hier als hoch entwickeltes Säugetier lebt, muss sich jetzt einer Baumart unterordnen, die der Mensch seit ein paar Jahren vom Westen Nordamerikas (natürliches Douglasie-Verbreitungsgebiet) bei uns einzubringen beginnt. Bitte denken Sie mal darüber nach.

Maximilian Peter Graf von Montgelas, Zorneding

© SZ vom 09.01.2021
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