Ispo Skilehrer im Skischuh

Beheizbare T-Shirts, Snowboards mit Sitzsystemen und ein Skateboard für Bewegungsmuffel: Die Sportartikelmesse Ispo bietet wieder reichlich neue Geräte - der Trend geht hin zur Elektronik

Von Tobias Ott

Wie wäre es zum Beispiel mit einem elektronischen Trainer im Skischuh? Es bräuchte dann keinen nervigen Übungsleiter auf Brettern mehr, der mit der Sonnenbrille im Haar etwas von Talski und Stockeinsatz fabuliert. Die künstliche Intelligenz erfasst den Fahrstil und gibt dem Fahrer per Kopfhörer ein Feedback, wie er seine Schwünge perfektionieren könnte. Überhaupt, so könnte man meinen, werden Sportlehrer bald überflüssig sein, schaut man sich ein wenig auf der Sportartikelmesse Ispo um. Ohne Digitalisierung und Vernetzung geht offenbar nur noch wenig: Die Technologien werden immer ausgefeilter. Wobei es schon noch Erfinder gibt, die ohne Computerchip auskommen.

"Die Elektronik erobert den Sport", sagt gleichwohl Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München. So ist selbst die Kleidung mittlerweile intelligent. Das beheizbare Hightech-Oberteile einer französischen Firma etwa soll den Körper auf idealer Temperatur halten. Dank Sensoren findet das Shirt immer die richtige Wärme-Dosis. Das Skifahren zum Beispiel macht mit kalten Füßen ja auch keinen Spaß. Deshalb können sich Technikbegeisterte zum elektronischen Skilehrer auch noch Heizungen für die Füße kaufen, so etwas haben gleich mehrere Hersteller im Angebot: Skistiefel, die mit einem USB-Kabel zu laden sind und so durch ein integriertes Heizsystem warme Füße garantieren.

Ein digitaler Skicoach.

(Foto: Robert Haas)

Es geht bei den elektronischen Neuerungen allerdings bei weitem nicht nur um Wintersport. Studenten der Technischen Universität München etwa entwickelten mit "Solos" einen Spiegel, der dem Sportler im Fitnessstudio sofort über eine Anzeige eine Rückmeldung gibt, sobald eine Übung nicht richtig ausgeführt wird. Ein im Spiegel verbauter Sensor erkennt, ob beispielsweise die Handbewegung bei einer Hantelübung im exakten Winkel erfolgt. Derzeit wird der Solos-Spiegel ausschließlich in Fitnessstudios eingesetzt. "Im Laufe des Frühjahrs nehmen wir auch Bestellungen von Privatpersonen an", sagt Entwickler Vladimir Kondic.

Wie wär es mit einem Sitz-Snowboard?

(Foto: Robert Haas)

Ebenfalls praktischen Nutzen hat das Sitzsystem für Snowboards, das die Unternehmerin Gina van der Werf ganz traditionell bauen hat lassen. Mit diesen speziell gestalteten Snowboards können körperlich eingeschränkte Personen die Piste hinunter fahren. "Ich wollte auch Rollstuhlfahrern einmal die Möglichkeit und Freude geben, den Sport auszuüben", sagt die niederländische Snowboardlehrerin, die im Jahr 2010 mit der Entwicklung des Sitzes begann und ziemlich viel Zeit in das Projekt investierte. Durch das Vor- und Zurück-Bewegen des Sitzes steuert der Fahrer das Gerät. In Skandinavien, erzählt van der Werf, werde das Snowboard mit dem Sitzsystem bereits im Wintersport für Behinderte eingesetzt. Für Skifahrer dagegen, die auch einmal in gefährlichen Regionen unterwegs sind, ist der neu entwickelte Lawinenairbag mit angeschlossenem Atemsystem gedacht. An dem Griff, der den im Rucksack eingebauten Airbag auslöst, ist ein Schlauch mit einem Mundstück angebracht. Durch den Schlauch wiederum ist die Versorgung mit Sauerstoffgewährleistet, falls der Skifahrer von einer Lawine verschüttet wird. "Das Mundstück filtert den Sauerstoff aus dem Schnee", sagt Unternehmer Matthias Werz. Der Verschüttete habe damit mehr als eine Stunde Luft und so eine ungleich höhere Chance, gerettet zu werden.

Als deutlich wachsende Zielgruppe hat die Sportbranche dieses Jahr Frauen und Sportmuffel für sich entdeckt. Bei letzteren ist Potenzial laut einer aktuellen Studie durchaus vorhanden: 28 Prozent der Deutschen treiben keinen Sport. Auf diese Gruppe zielen die Hersteller etwa mit einem Skateboard mit Elektromotor, das eine Rolle in der Mitte hat und so nicht gar so mühsam durch die Kraft der Beine angetrieben werden muss. Die von Männer dominierte Branche mache sich aber auch viele Gedanken, wie sie Frauen besser ansprechen könnte, sagt Messe-Geschäftsführer Klaus Dittrich. Ob Yoga-Kurse auf der großen Showbühne, Aerobiceinheiten auf dem Trampolin oder eine Modenschau in Skiklamotten, die auf einem Laufsteg rund um einen Swimmingpool stattfindet - auch so etwas gibt es auf der Ispo. Und wem das alles zu langweilig ist, der kann ohne Skier den Abhang hinunter sausen, das sollte Adrenalinkick genug sein. Die Snowskates, Skischuhe mit einer Stahlkappe, ermöglichen eine Kombination aus Inlineskaten mit Skifahren und sollen echte Bewegungsfreiheit garantieren. Verheerende Stürze bei zu viel Übermut nicht ausgeschlossen.

Mit 2732 Ausstellern, einem Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr, stellt die Sportartikelmesse Ispo in diesem Jahr einen neuen Rekord auf. Die Messe hat für Besucher noch bis Mittwoch geöffnet.