Ispo in München Fitness - ganz entspannt

Trainer und Choreograf Detlef D! Soost ist schon von Berufs wegen topfit. Auf der Messe zeigt er den Zuschauern einige seiner Tricks.

(Foto: Robert Haas)
  • Fitnessuhr, Sensoboard oder Shiatsu-Massage-Gerät: Auf der Messe Ispo zeigt die Sportartikelbranche ihre neuen Trends.
  • Den Ausstellern geht es um zeitsparendes Training, das überall ohne professionelle Anleitung ausgeführt werden kann.
Von Ramona Drosner

Es sieht aus, als würde Moritz Martin schweben. Mit Turnschuhen steht er auf einem wackligen Holzbrett in einer Halle der Sportmesse Ispo in Riem. Er zeigt einem jungen Besucher, wie er das Gleichgewicht ausbalancieren kann, und geht dabei in die Knie, ohne dass sich das Brett zur Seite neigt, wie das bei Anfängern oft der Fall ist. Martin ist Profi, genauer Vize-Weltmeister im Windsurfen.

Er hat das hölzerne Sportgerät, das er "Sensoboard" nennt, selbst erfunden. "Jeder, der sich auf das Brett stellt, bekommt ein besseres Körpergefühl. Zum Beispiel nach einem Burnout hilft es einem dabei, wieder mehr Selbstvertrauen zu entwickeln", erklärt Martin. Mit dem Board lasse sich die Sensomotorik, das Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Muskulatur, trainieren. "Für den Manager im Büro reichen schon fünf Minuten."

Den Ausstellern der internationalen Fachmesse geht es um zeitsparendes Training, das überall ohne professionelle Anleitung ausgeführt werden kann. Die diesjährige Ispo macht deutlich, dass ein ausgeglichenes Körpergefühl, ein nachhaltiger und gesunder Lebensstil mit einem entschleunigten Alltag nun auch in der Fitnesswelt angekommen sind. So wie am Stand von Nadine Fritzlaff, die einer Besucherin das Shiatsu-Massage-Gerät einer Münchner Firma wie einen Schal locker um die Schultern legt. "Viele Kunden legen sich das auch im Büro bequem in den Rücken und lösen mit der Infrarotwärme und den Massageknöpfen während der Arbeit ihre Rückenverspannung", weiß Fritzlaff. So könne man auch direkt am Schreibtisch etwas für das eigene Wohlbefinden tun.

Eine Fitnessuhr kontrolliert den Alltag

Wie der Tag effizient zu nutzen ist, zeigt Lucy Sheehan von einer Firma aus San Francisco. Um ihr schmales Handgelenk trägt sie ein violettes Armband aus Silikon. Mit dieser Fitnessuhr kontrolliert sie ihren Alltag: "Es ist wichtig, das eigene Verhalten Tag und Nacht im Blick zu haben, um verstehen zu können, was für einen selbst Fitness bedeutet. Das bringt Bewegung ins Leben." Lucy Sheehan holt ihr Smartphone aus der Hosentasche und öffnet eine App, die ihren Herzrhythmus, ihre Schritte und Ruhezeiten in einer Statistik vereint. "Wenn man das Gefühl hat, zu viel Zeit am Schreibtisch verbracht zu haben, dann sollte man versuchen, wieder auf die gesunden 10 000 Schritte am Tag zu kommen und das Auto beispielsweise weiter weg zu parken.

Es sind die kleinen Dinge, die sich aufsummieren und Fitness ausmachen", erläutert Sheehan. Messebesucherin Lisa Acham neben ihr betrachtet die Armbänder genauer und zweifelt : "Ich bin zwiegespalten, ob man das wirklich braucht." Das einzige, was sie daran interessiere, sei die automatische Kalorienmessung. Acham fährt gerne mit ihrem Mountainbike in die Natur, ungefähr zehn Stunden die Woche, wie sie sagt.

"Ich hab' für so etwas doch keine Zeit"

Auch das Trampolin ist ein Kalorienfresser. Das macht Yvonne Hyna auf einem Mini-Trampolin vor. "Zehn Minuten hüpfen haben laut einer Nasa-Studie den gleichen Effekt wie eine halbe Stunde Joggen", erklärt sie hinterher, "wichtiger ist aber der Spaß: Nur wenn ich Spaß hab', trainiere ich." Hynas Firma beruft sich auf die Philosophie der chinesischen Medizin. "Wir brauchen eine innere Balance", erläutert die Trainerin.

Die Aussteller demonstrieren ihre Geräte, die Ausgleich und Entspannung verschaffen sollen, die Besucher schauen zu, bleiben aber zögerlich. Einige Männer setzen sich auf das Trainings-Rad, wie sie es aus ihrem Fitnessstudio kennen, Massage-Gerät, Sensoboard und Trampolin beobachten sie lieber aus der Ferne. "Ich hab' für so etwas doch keine Zeit und keinen Platz am Schreibtisch", seufzt Ben Hornett, ein Marketingschaffender, der zur Ispo aus Großbritannien angereist ist. Für zwei Stunden Fitnessstudio in der Woche zahle er umgerechnet 90 Euro im Monat, Entschleunigung kenne er im Alltag nicht.

Beim Münchner Matthias Jieln ist das ähnlich. Er findet es zwar gut, dass auf der diesjährigen Messe auch großer Wert auf nachhaltige Materialien gesetzt werde, wie zum Beispiel mit dem hölzernen Sensoboard. "Das ist aber eher für den Arbeitgeber interessant", sagt er und zuckt mit den Schultern. "Ich als Mitarbeiter hab' da wenig Einfluss drauf, Sport am Arbeitsplatz einzuführen."

Die Ispo auf dem Riemer Messegelände dauert noch bis Sonntag 8. Februar. Sie ist für Besucher von 9 bis 18 Uhr, am Sonntag nur bis 17 Uhr geöffnet. Die Halle C ist dem Thema Fitness und Gesundheit gewidmet.