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Islamzentrum:Idriz plant provisorische Innenstadt-Moschee

Benjamin Idriz Imam

Idriz will mit zwei bosnisch geprägten Moschee-Gemeinden und mit einem türkischen Kulturverein kooperieren.

(Foto: Manfred Neubauer)

Seit sieben Jahren will Imam Idriz in München eine große repräsentative Moschee bauen lassen. Bisher gibt es nicht einmal ein konkretes Baugrundstück. Mit einer provisorischen Moschee in der Innenstadt will er das Projekt jetzt voranbringen. Doch auch dabei stößt Idriz auf Hindernisse.

Der Penzberger Imam Benjamin Idriz will möglichst bald eine provisorische Moschee in der Innenstadt eröffnen. Der Gebetsraum soll einer Geschäftsstelle des "Münchner Forum für Islam" (MFI, ehemals Zentrum für Islam in Europa - München, Ziem) angegliedert sein. Damit will Idriz das Projekt einer großen, repräsentativen Moschee voranbringen.

Seit sieben Jahren werben er und seine Mitstreiter dafür, noch aber gibt es kein konkretes Baugrundstück. Zur Geschäftsstelle sollen neben Büros auch ein Veranstaltungssaal gehören. Diesen möchte Idriz nutzen, um das Moschee-Projekt bekannter zu machen, mit Diskussionen etwa oder Ausstellungen. Kooperieren will Idriz dabei mit zwei bosnisch geprägten Moschee-Gemeinden und mit einem türkischen Kulturverein.

Mit dem Gebetsraum hofft Idriz ein Problem vieler Muslime zu lösen, die in der Innenstadt leben oder arbeiten: In den letzten Jahren habe sich die Zahl der islamische Gemeinden im Bahnhofsviertel spürbar verringert, teils durch Umzug, teils durch Kündigung der Mietverträge. Deshalb, so berichtet Recep Dereli, Vize-Vorsitzender von MFI, seien die verbliebenen Innenstadt-Moscheen, die sich in Hinterhöfen oder gar im Keller befinden, freitags überfüllt, oft kämen Gläubige nicht einmal mehr hinein.

Andere, weiter außerhalb gelegene Moscheen zu besuchen, stelle Gläubige vor ein zeitliches Problem, weil sie dann längere Zeit am Arbeitsplatz fehlten. "Ich will auf den Bedarf der Muslime reagieren", sagt Imam Idriz. Im Idealfall solle die MFI-Geschäftsstelle samt Gebetsraum mehrere hundert Quadratmeter groß sein.

"Das sind wir schon gewohnt"

Der Penzberger Imam, der selbst aus Mazedonien stammt und dem MFI vorsitzt, würde diese Moschee nicht als Imam leiten. In einer der beiden möglichen Kooperationsgemeinden gebe es zwei Imame, von denen einer die Verantwortung für den dann neuen Gebetsraum in der Innenstadt übernehmen könnte.

Um welche Gemeinde es sich handelt, will Idriz noch nicht sagen. Der türkische Kulturverein, mit dem das MFI in Kontakt sei, suche selbst auch nach geeigneten Veranstaltungsräumen, weshalb man sich zusammenschließen könne. Bei der Suche nach geeigneten Räumen - etwa einer Etage in einem Bürogebäude - tut sich das MFI aber bislang schwer. Die Eigentümer zweier passender Objekten hätten das MFI als Mieter abgelehnt, obwohl die Räume teilweise seit Jahren leer stünden.

Dereli vermutet, dass die Vermieter keine Muslime als Mieter haben wollten. Das habe ihm so zwar noch niemand ins Gesicht gesagt, aber Andeutungen höre er immer wieder. "Das sind wir schon gewohnt", sagt Dereli. Er hatte als Vorsitzender des Moscheevereins Ditim bis 2010 versucht, in Sendling ein muslimisches Gotteshaus zu errichten. Nachdem das Projekt aus finanziellen Gründen gescheitert war, trat er zurück.

Mit der Eröffnung eines MFI-Büros sollen die Planungen für das Moschee-Projekt professionalisiert vorankommen: Dann wolle der Verein erstmals einen hauptamtlichen Geschäftsführer einstellen, bisher wird die Arbeit ehrenamtlich erledigt. Damit könnte wieder neuer Schwung in die Moschee-Pläne kommen.

In den vergangenen zwei, drei Jahren hatten die etablierten Parteien versucht, die Diskussion um die Moschee klein zu halten. Man fürchtete, dass sie im Kommunalwahlkampf den Islamfeinden um die Partei "Die Freiheit" Auftrieb hätten geben können. Die Partei ist jetzt mit 0,6 Prozent bei der Stadtratswahl gescheitert.

Demnächst will die Stadt Idriz einen Bauplatz vorschlagen, vermutlich auf dem Gelände des geplanten sogenannten Kreativquartiers an der Dachauer Straße. Der ursprünglich diskutierte Standort in der Herzog-Wilhelm-Straße nahe dem Stachus ist vom Tisch: Als offizieller Grund gelten Sicherheitsbedenken, da das Gebäude auf einer Tiefgarage gebaut werden müsste.

Unabhängig davon aber sind die politischen Vorbehalte gegen eine Moschee in der Altstadt zu groß, gerade im konservativen Lager. Offen ist weiterhin die Finanzierung des vermutlich 30 Millionen Euro teuren Projekts. Nach wie vor ist der Golfstaat Katar als Geldgeber im Gespräch, eine endgültige Zusage erwartet Idriz aber erst, wenn er einer Delegation des Landes einen konkreten Bauplatz nennen könne. Der Stadtrat hat sich 2010 mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, den Bau einer Moschee zu unterstützen.

© SZ vom 19.03.2014/amm
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