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Internetverbindung:Eine neue Technologie, die Ängste auslöst

Der Ausbau des schnellen Internets 5G hat in München gerade begonnen, zuerst sind die großen Firmen an der Reihe. Und doch regt sich bereits Widerstand. Mit einer Petition fordern die Gegner nun eine unabhängige Untersuchung, ob und wie gefährlich die Strahlung ist

Eine blaue Box, die Zahl 7103 haben sie mit schwarzem Stift darauf geschrieben. So viele Menschen wollen kein 5 G in München, so viele haben die Petition unterschrieben, die Anja Fabricius im Juni startete. Und mit der sie die Politiker darauf aufmerksam machen will, dass es beim Thema 5 G nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch Widerstand gibt. "Wir wollen keine Versuchskaninchen sein", sagt sie. "Es gibt keine Studie, die sagt, es ist unbedenklich."

Die Petition von Anja Fabricius ist nur eine von vielen gegen 5 G. Es gibt eine bayernweite, eine deutschlandweite, eine internationale Petition. 5 G - die Zahl und der Buchstabe haben nicht nur in München, sondern im ganzen Land und auch international Debatten ausgelöst. Die einen wollen das schnelle Internet so schnell wie möglich, die anderen haben Angst vor den Folgen, wünschen sich mehr Studien zu den möglichen Risiken von 5 G.

Tatsache ist: Der Mobilfunk-Standard 5 G kommt. Im Juli 2019 wurde mit dem Ausbau des Netzes in München begonnen. Die Technik verspricht eine schnellere Datenübertragung von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde. Bisher sind mit LTE nach Angaben der Telekom bis zu 300 Megabit pro Sekunde möglich. Ein 5 G-fähiges Smartphone könne den Inhalt einer DVD im Idealfall in nur vier Sekunden laden.

Doch so weit ist es noch längst nicht. Denn um das schnellere mobile Internet nutzen zu können, braucht man ein entsprechendes Handy. Bisher sind in Deutschland dafür nur zwei Smartphones auf dem Markt: eines von Samsung und eines von Huawei. Und auch das Netz ist noch nicht so weit. Der Ausbau in München stehe ganz am Anfang, teilt der Sprecher des städtischen Referats für Arbeit und Wirtschaft mit. Bisher hätten Telekom, Telefonica und Vodafone knapp 100 bestehende LTE-Standorte in der ganzen Stadt angezeigt, die nach und nach entsprechend erweitert werden sollen.

"Wir wollen keine Versuchskaninchen sein": Anja Fabricius und ihre Mitstreiter Alpan Önder, Stadtratskandidat der ÖDP (links), und David Reinholz stehen an der 5 G-Antenne in Milbertshofen.

(Foto: Catherina Hess)

Obwohl der Ausbau noch nicht weit ist, hatte Aktivistin Anja Fabricius die Unterschriften für ihre Petition schnell zusammen; drei Monate lang hat sie gesammelt. "In der Bevölkerung besteht ein großes Interesse an dem Thema", sagt sie. Die blaue Box, in der ein USB-Stick mit den gesammelten Unterschriften gegen 5 G in München liegt, hat sie vor kurzem gemeinsam mit ihren Mitstreitern David Reinholz und dem ÖDP-Politiker Alpan Önder im bayerischen Landtag an Rosi Steinberger überreicht.

Die Grünen-Politikerin ist die Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz. Und sie unterstützt das Anliegen der Petition: "Es gibt noch Zweifel bezüglich der Auswirkungen der 5 G-Strahlen." Jeder sei von der Strahlung betroffen, aber man sehe und spüre sie nicht. Sie sei der Meinung, dass die Auswirkungen genau untersucht werden sollten, erklärt Steinberger.

Andere hingegen können es kaum erwarten, dass das schnelle Internet endlich auch zu ihnen kommt: Die Telekom teilt auf ihrer Homepage mit, dass sie Anfang September die ersten 5 G-Antennen in Milbertshofen im Norden der Stadt in Betrieb genommen hat. Inzwischen seien es zwölf, und bis Ende des Jahres plane die Telekom 50 weitere Antennen in der Stadt. Das schnelle Netz soll zunächst den Frankfurter Ring entlang, um den BMW-Park und am Medienstandort Unterföhring ausgebaut werden. Im kommenden Jahr wird dann in Richtung Innenstadt erweitert. In den Kommentaren unter der Telekom-Mitteilung schreiben einige, dass sie sich 5G für das ganze Stadtgebiet wünschen, und zwar so schnell wie möglich. Andere verweisen auf mögliche Risiken von 5 G.

Dass 5 G zunächst an den Standorten großer Firmen ausgebaut wird, ist kein Zufall. Aus Sicht der Telekommunikationsunternehmen Telekom und Telefonica ist 5 G zunächst vor allem für die Industrie interessant. Doch es laufen auch schon Tests für Verbraucher: Telefonica teilt mit, das Unternehmen teste seit 2016 moderne 5 G-Anwendungen in München und betreibe im Norden der Stadt zusammen mit Huawei ein eigenständiges 4,5 G-Netz, eine Art Zwischenstufe zwischen LTE, also 4 G, und 5G. Erst für 2020 rechnet Telefonica damit, dass 5 G für die Verbraucher relevant wird. In diesem Jahr arbeitet das Unternehmen erst einmal weiter am LTE-Ausbau.

Viele kleine Antennen werden nötig

Das Bundesamt für Strahlenschutz erklärt in einem animierten Video, dass 5 G auch höhere Frequenzbereiche nutzt, die bisher nicht im Mobilfunk eingesetzt wurden. Dass die nicht durch Hauswände dringen, weshalb es mehr Sendeanlagen brauche. Statt großer Antennen werde es viele kleine Anlagen an Hauswänden oder Lichtmasten geben. In dem Video heißt es auch, dass weiter zu den höheren Frequenzbereichen geforscht werde, zum Beispiel zu den Auswirkungen auf empfindliche Bevölkerungsgruppen wie Kinder und generell zu den Langfristfolgen. Um sich vor Strahlung zu schützen, empfiehlt das Bundesamt, sich ein strahlungsarmes Mobiltelefon zu kaufen. Denn die Handys seien für den überwiegenden Teil der Strahlung verantwortlich. Außerdem solle man nur bei gutem Empfang telefonieren und ein Headset benutzen. kaal

Dabei sollte es nach Auffassung von Fabricius und ihren Mitstreitern auch bleiben. Sie fordern in ihrer Petition, die 5 G-Antennen abzuschalten und den Netzausbau zu stoppen. "Wir wollen die Bürger informieren und sie vor einer Technik schützen, die noch nicht erforscht ist und die über ihren Köpfen verbreitet wird", sagt David Reinholz. Fabricius sagt, ihr Traum wäre eine Studie von unabhängigen Wissenschaftlern. Und dass schon viel erreicht wäre, wenn nicht jeder Anbieter eine eigene Antenne aufstelle.

Dass das Thema 5 G-Ausbau die Menschen beschäftigt, dass es Ängste auslöst, das merkt auch Klaus Holetschek. Er ist Bürgerbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, sein Job ist es, den Menschen zuzuhören, sich um ihre Sorgen zu kümmern. Und die haben in letzter Zeit oft mit 5 G zu tun. "Wir sollten die Sorgen der Bürger ernstnehmen und transparent erklären, was da passiert", sagt der CSU-Politiker. Die neue Technologie dürfe man nicht verteufeln, sagt Holetschek. "Jede neue Technologie hat Ängste ausgelöst." Wichtig sei es, rauszugehen und mit den Menschen zu reden.