Insolvenzverwalter von Müller-Brot:Sein bislang schwierigster Fall

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Wohltaten kann er nicht herbeizaubern, dafür eine Strategie: Hubert Ampferl muss als Insolvenzverwalter vermitteln wie ein Psychologe. Nun soll er die Großbäckerei Müller-Brot retten - es ist nicht der erste Betrieb, in dem er neben wirtschaftlichen Problemen auch gegen hygienische ankämpft.

Katja Riedel

Diesen Text dürfte es eigentlich gar nicht geben. Jedenfalls nicht, wenn es nach demjenigen ginge, von dem er handeln soll: Hubert Ampferl, vorläufiger Insolvenzverwalter der Großbäckerei Müller-Brot in Neufahrn. Ampferl fürchtet, es könne dem Unternehmen eher schaden als nützen, wenn seine Person zu sehr in den Mittelpunkt rücke, sagt er.

Insolvenzverwalter von Müller-Brot: Ampferls Aufgabe: das Unternehmen Müller-Brot zu retten.

Ampferls Aufgabe: das Unternehmen Müller-Brot zu retten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Mittelpunkt steht er aber ohnehin - seit dem 16. Februar, an dem er zum ersten Mal durch die Pforte an der Neufahrner Ludwig-Erhard-Straße getreten ist, auf den Fabrikhof und hinter jene Mauern, über die Zeitungen, Radio und Fernsehen noch immer fast täglich berichten. Auch Ampferl hatte den Fall Müller-Brot zuvor verfolgt, und dass der Hygieneskandal in die Insolvenz führen könnte, habe er schnell befürchtet, sagt er. Dass er selbst es sein würde, der nun für die Gläubiger retten soll, was noch zu retten ist, damit habe er damals nicht gerechnet.

Für Hubert Ampferl und seine Familie sind mit dem Anruf des Landshuter Insolvenzgerichts wieder Zeiten angebrochen, in denen er seine Frau und die neunjährige Tochter selten, seine Mitarbeiter und den Schreibtisch in der Münchner Kanzlei Dr. Beck und Partner dafür sehr oft sieht. "Wenn ein vorläufiges Insolvenzverfahren läuft, dann gibt es für mich nichts anderes mehr", sagt Ampferl. Es klingt entschuldigend.

Die Reisekataloge für Skihotels in Südtirol haben die Ampferls in diesem Moment gleich zur Seite gelegt. Irgendwann, wenn der Fall Müller-Brot für Ampferl zu den Akten gehört, werden sie wohl auf einem Bauernhof Urlaub machen.

Bis zum 1. April, dem Ende des vorläufigen und dem Beginn des eigentlichen Insolvenzverfahrens, taucht er aus dem Familienleben ab. Er lebt in den Büchern der Firma und in Verhandlungen. Er spricht mit jenen, denen Müller-Brot insgesamt mehrere zehn Millionen Euro schuldig geblieben ist. Mit anderen, die dafür verantwortlich sind. Und mit jenen, die dem Unternehmen eine Zukunft bieten könnten: mit möglichen Investoren.

Gerade einmal 43 Jahre ist Hubert Ampferl alt. Es ist bei weitem nicht sein erster, aber wohl mit weitem Abstand schwierigster Fall. Er muss besonders sensibel agieren - auch, weil die Öffentlichkeit jeden Schritt bei Müller-Brot verfolgt. Zudem hat alles, was Ampferl entscheidet, Folgen für knapp 1300 Mitarbeiter und 151 Pächter von Filialen.

Fünf Abteilungsversammlungen und zwei Pächtertreffen hat Ampferl in seinen ersten 76 Stunden bei Müller-Brot abgehalten. Hat ein neues Hygienekonzept aufgesetzt und mit Behörden und Banken verhandelt. Ampferl ist einer, den man nicht übersieht. Wenn er einen Raum betritt, wenden sich ihm die Köpfe zu. Nicht viele würden den smarten Mann im feinen Nadelstreifenanzug für einen Juristen halten; seinem Äußeren nach würde man einen wie Ampferl eher auf einem Roten Teppich verorten.

Doch obwohl er aussieht wie ein Hollywoodschauspieler, bleibt er authentisch, ungekünstelt. So auch an jenem Samstagmorgen, dem Samstag nach der Müller-Brot-Pleite, im Festsaal eines Gasthofes in Massenhausen. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Ampferl balanciert. Er muss den Pächtern bittere Nachrichten überbringen, Nachrichten, die ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen. Ampferl spricht in ruhigem Tonfall, doch ohne Schönfärbereien. Er muss sie auf das vorbereiten, was auf sie zukommt, darf sie aber nicht soweit demotivieren, dass sie alles hinwerfen.

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