Hygieneskandal an Kliniken Verschmutzungen mit bloßem Auge zu sehen

An zwei Münchner Kliniken kann wegen erheblicher Hygienemängel nicht mehr operiert werden. Die Klinikgesellschaft wusste offenbar seit Monaten Bescheid. Warum wurde erst jetzt gehandelt?

Von D. Hutter

An den städtischen Kliniken Bogenhausen und Neuperlach durfte wegen gravierender Hygienemängel seit Mittwoch nicht mehr operiert werden. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, der zuständige Geschäftsführer der städtischen Klinikgesellschaft, Reinhard Fuß, wurde auf unbestimmte Zeit suspendiert.

Nach SZ-Informationen waren die Mängel zumindest der Klinikgesellschaft schon seit Monaten bekannt. Gehandelt wurde aber erst, als am Freitag der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) davon erfuhr.

Wann der Operationsbetrieb wieder aufgenommen werden kann ist unklar. Derzeit werden lediglich Notfälle behandelt. Monatzeder hält es aber für unwahrscheinlich, dass schon am heutigen Freitag wieder operiert werden kann. Er versprach jedoch: "Wir werden alles lückenlos aufklären" - vom Ausgang dieser Untersuchungen hänge letztlich auch das berufliche Schicksal von Reinhard Fuß ab.

Derzeit seien externe Berater damit beauftragt, auszuloten, wie und wann der Betrieb in vollem Umfang wieder aufgenommen werden kann und welche Konsequenzen zu ziehen sind.

Die Vorwürfe betreffen die sogenannte Sterilgutaufbereitung im Klinikum Bogenhausen, also die Abteilung, in der Operationsbestecke gesäubert und desinfiziert werden. Dort wurden bei einer Kontrolle durch das Gesundheitsamt unsaubere Instrumente entdeckt, nach SZ-Informationen sollen die Verschmutzungen teilweise mit bloßem Auge zu erkennen gewesen sein.

Zudem wurden Bestecksätze für Operationen falsch zusammengestellt. Das Gesundheitsamt veranlasste daraufhin die Schließung der Abteilung. Da die Bogenhausener Abteilung auch für Neuperlach zuständig ist, ist die Klinik dort ebenfalls von dem OP-Stopp betroffen. Den Klinikverantwortlichen zufolge ist aber kein Patient zu Schaden gekommen.

Auslöser der Kontrolle durch das städtische Gesundheitsamt war ein Gutachten, das dem Klinik-Aufsichtsrat am Freitag offenbar eher zufällig bekannt wurde. Das Papier war Monatzeder zufolge in Auftrag gegeben worden, "weil man schon seit einiger Zeit Mängel erkannt hatte".

Zum sofortigen Rücktritt aufgefordert

Die Ergebnisse liegen nach SZ-Informationen bereits seit Mai vor und bestätigten den Verdacht. Konsequenzen wurden anscheinend nicht gezogen, denn als der Aufsichtsrat davon erfuhr und das Gesundheitsamt mit der Überprüfung beauftragte, stellten dessen Experten erneut Hygieneprobleme fest.

Die CSU weist der Stadtverwaltung eine wegen der verspäteten Reaktion eine erhebliche Mitverantwortung zu. So hat CSU-Stadtrat Robert Brannekämper nach eigenen Angaben bereits im Herbst von Patienten des Klinikums Bogenhausen Beschwerden über Hygienemängel erhalten und diese auch an die Stadtspitze weitergeleitet.

Monatzeder habe damals jedoch abgewiegelt und versichert, die festgestellten Sauberkeitsdefizite seien "nach mündlicher Zusicherung der Klinikdirektion unverzüglich abgestellt" worden. Behördliche Maßnahmen gegenüber der Klinik habe das Rathaus damals nicht für erforderlich gehalten. Brannekämper hatte dann trotzdem im vergangenen November einen jährlichen Bericht über Krankenhaushygiene gefordert. CSU-Fraktionschef Josef Schmid forderte Reinhard Fuß zum sofortigen Rücktritt auf.