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Homophobie-Vorwurf gegen Dirigenten:"Teil des Systems Putin"

Thomas Niederbühl (Rosa Liste) sieht das völlig anders, er hält die Personalie Gergiev "tatsächlich für ein Problem". Mit ihm habe München "einen Putinfreund, einen russischen Staatskünstler, der uns weltweit repräsentieren soll". Das sei eine sehr unbefriedigende Situation. Noch deutlicher wurde FDP-Fraktionschef Michael Mattar, der schon vor knapp einem Jahr die Entscheidung für Gergiev nicht mitgetragen hatte. "Ich halte ihn damals wie heute für untragbar", sagte Mattar. Jeder habe sehen können, dass Gergiev "Teil des Systems Putin" sei. Udes Äußerungen bezeichnete Mattar als "teilweise nicht sehr hilfreich", da es im Fall Gergiev nicht nur um Kulturaustausch gehe. "Wir wollen jemand einstellen, der eine inakzeptable Haltung einnimmt", sagte Mattar. Kritik musste Ude sich sogar aus den eigenen Reihen anhören: Gergiev sei "kein Künstler, der hier eben mal auftritt", sagte Irene Schmitt (SPD).

Keine Position der CDU

Auch Lydia Dietrich (Grüne) sprach am Rande der Sitzung von "schwierigen und verharmlosenden" Aussagen Udes. Noch mehr ärgert sie sich jedoch über die CSU, die in der Debatte überhaupt keine Position bezog. "Wenn OB-Kandidat Josef Schmid es ernst meint, dass er sich für Homosexuelle einsetzt, dann hätte er das heute unter Beweis stellen können", sagte Dietrich. Niederbühl äußerte nach der Sitzung Verständnis dafür, dass der Stadtrat "nicht von heute auf morgen" Konsequenzen zieht. "Allerdings kann die Stadt schon erwarten, dass künstlerische Größen und städtische Repräsentanten für Menschenrechte eintreten", sagte er.

Der Vorstand der Münchner Philharmoniker und deren Intendant Paul Müller ließen auf Nachfrage ausrichten, sich erst wieder zu dem Fall zu äußern, wenn es neue Entwicklungen gebe. Und Rita Braaz von der Rosa Liste fand am Abend inmitten der Demonstration sogar noch Muße für einen "Traum", wie sie sagte: "Ich würde mir wünschen, dass Herr Gergiev aktiver Unterstützer der Rechte von Lesben und Schwulen wird" - zum Beispiel mit einem Benefizkonzert.