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Hochschulen vernetzen sich:Kompositionen für Kuba

Stefan Baier, Spezialist für alte Tasteninstrumente und Rektor der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg, arbeitet eng mit Kirchenmusikern in Havanna zusammen.

(Foto: HFKM Regensburg)

Regensburg und Havanna kooperieren in der Kirchenmusik

Es ist eine besondere Vision, die Stefan Baier derzeit verfolgt. Baier ist Spezialist für alte Tasteninstrumente und seit zehn Jahren Rektor der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg. Ein Ort mit großer Tradition und internationalem Ruf. In Regensburg kann man mittlerweile Kirchenmusik umfassend studieren, von der Gregorianik bis zur Musik der Gegenwart. Erst jüngst horchte die Fachwelt auf, als mutig der neue Masterstudiengang "Neue Geistliche Musik" vorgestellt wurde. Baier ist daran nicht ganz unschuldig. Tradition und Modernität sind in seinem Verständnis von Musikkultur nicht voneinander zu trennen, er versteht dies als expliziten Auftrag an die kleine Musikhochschule am Fuße der Steinernen Brücke. Zudem ist der gebürtige Niederbayer ein begnadeter Netzwerker, verknüpft Regensburg mit der ganzen Welt.

Im kubanischen Havanna möchte er nun etwas Besonderes verwirklichen: Das erst vor einigen Jahren gegründete kirchliche Instituto Superior Felix Varela ebenda mit seinem Studienleiter Moisés Santiesteban soll einmal das Kirchenmusikzentrum für Mittelamerika werden - als ein wertvoller und eigenständiger Partner der Hochschule für katholische Kirchenmusik in Regensburg.

Anfang März fand dort zum siebten Mal in Folge die "Semana de Música Sacra de La Habana 2020" statt. Eine Kirchenmusikwoche mit Workshops, Meisterkursen und Konzerten. Die Regensburger Dozenten trafen auf kubanische Vokalensembles, Sänger, Organisten und Kinderchöre, die weite Wege auf sich nahmen, um Musik von Bach, Brahms, Scarlatti oder Buchenberg zu erarbeiten, Stimmbildung zu erhalten oder Kompositions- und Interpretationsfragen zu diskutieren. Das alles geschieht prinzipiell auf erstaunlich hohem Niveau, Musik ist Teil der kubanischen Seele und der Schulbildung. Viele der Musiker und Chorleiter haben in sozialistischen Bruderländern studiert, einige sogar in Weimar. Das ist keine Entwicklungshilfe von oben nach unten, sondern Fortbildung und Lehrtätigkeit auf Augenhöhe.

Seinen Ursprung fand alles vor 15 Jahren, als Baier zusammen mit der renommierten Blockflötistin Claudia Gerauer zum "Esteban Salas Festival" für Alte Musik nach Havanna eingeladen wurden. Daraus entwickelten sich in der Folge regelmäßige Aufenthalte für Workshops, die 2014 in die Idee einer ganzen Kirchenmusikwoche mündeten. Seither ist viel geschehen, in manchen Kirchen Havannas erklingen wieder Orgeln, im Centro Cultural Padre Félix Varela direkt hinter der berühmten Kathedrale ist ständiger Unterrichtsbetrieb, die Bibliothek wächst, ebenso die Anzahl derer, die mit einem Stipendium der Hochschule und der Diözese Regensburg in der bayerischen Domstadt studieren. Wer die Entwicklung der letzten Jahre kennt, kann nur erstaunt den Kopf schütteln über das, was in einer verhältnismäßig kurzen Zeit in der karibischen Perle wachsen konnte.

Moisés Santiesteban, in der Jugend staatlich gefördertes Wunderkind am Klavier, wurde der erste kubanische Student in Regensburg, heute ist er der Organist der Catedral de la Habana und Spiritus Rector der kirchlichen Hochschule. Er und Baier sind der Motor eines Leuchtturmprojekts, das von Kuba über den Atlantik nach Bayern strahlt. Und für Baier ist es das größte Geschenk, wenn Musik die Menschen verbindet.

© SZ vom 25.03.2020
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