Hilfsaktion:Immer in Bewegung

Michael beim Kapitän; SZ-Adventskalender erfüllt Weihnachtswunsch

Wow, die Glocke war ganz schön laut. Sie läuten zu hören, war ein neues Erlebnis für den begeisterten Schifffahrer Michael.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Schiffsausflug: SZ-Adventskalender erfüllt Michaels Wunsch

Von Claudia Wessel, Starnberg

Woran sich Michael (Name geändert) wohl später erinnern wird? Daran, wie Kapitän Günter Engel von der Starnberger Seenschifffahrt ihn höchstpersönlich am Steg vor dem Betreten der Seeshaupt begrüßt hat? Oder daran, wie Engel das Seil, das die Fahrgäste von der Kapitänsbrücke fernhält, für Michael, seine Mutter Ulrike R. und seinen ehrenamtlichen Betreuer vom Maltester-Kinderhospizdienst, Thomas Steck, geöffnet hat? Oder daran, wie Engel die Schiffsglocke geläutet hat, was einigermaßen laut war und den ohnehin nervösen Fahrgast ein wenig erschreckt hat? Laut aufgelacht hat Michael dagegen, als der Kapitän ihm zuliebe einfach mal auf den Knopf gedrückt hat, der das Schiff laut hupen lässt.

Bei der Spendenaktion 2016 des Adventskalenders für gute Werke der Süddeutschen Zeitung hatte Michael einen Weihnachtswunsch geäußert: einmal auf dem Schiff der Starnberger Seenschifffahrt bleiben, wenn dieses nach der Rundfahrt in den Hafen einkehrt. Dieser Wunsch durfte leider aus versicherungstechnischen Gründen nicht erfüllt werden. Ein Kennenlernen des Kapitäns dagegen schon, darum hatte sich Anita Niedermeier, Geschäftsführerin des SZ-Adventskalenders, im Vorfeld gekümmert. Und wie es aussieht, hat das Michael auch sehr gut gefallen.

Vielleicht erinnert er sich später auch noch daran, wie er sich auf den Sessel des Kapitäns setzen durfte, von dem aus man den See wunderbar überblickt, und wie Engel ihm sogar seine Kapitänsmütze lieh. Was genau den 20-Jährigen, der geistig behindert ist und an einer unheilbaren Epilepsie leidet, am meisten beeindruckt hat, wird seine Mutter bald erfahren. Denn schweigsam ist Michael nicht. Immer wieder fällt ihm etwas ein, was er schon mal gemacht hat. Mit der Dampflok fahren zum Beispiel. "Was machen wir morgen?", fragt er immer wieder. "Er ist in etwa wie ein Fünfjähriger", sagt seine Mutter.

Michael liebt alles, was sich bewegt: Schiffe, Züge, Autos. Und er ist auch selbst gerne in Bewegung, was für seine Mutter nicht einfach ist, denn sie muss ihm ununterbrochen auf den Fersen bleiben. Wie fordernd es für die alleinerziehende Mutter ist, sich um ihren schwerkranken Sohn zu kümmern, erlebt man bei der dreistündigen Rundfahrt hautnah. Immerhin hat sie heute einen ungewohnten Luxus: Betreuer Thomas, der sonst einmal in der Woche mit Michael für ein paar Stunden einen Ausflug macht, ist mit dabei. Er kann sich immer mal wieder um den unendlichen Bewegungsdrang des Jungen kümmern und auch seine tausend Fragen beantworten oder auf seine Erzählungen eingehen.

Nach unzähligen Runden über alle Decks des Schiffes geht es zum Schluss noch einmal zu Kapitän Engel auf die Brücke. Und den wollte Michael doch sowieso noch etwas fragen, erinnert ihn seine Mutter. Denn beim jüngsten Ausflug nach Starnberg hat er dieses Schiff gesehen, das gar nicht im Wasser lag. "Das war auf der Helling", erklärt Engel. "Es bekam einen neuen Anstrich und die Schraubenlager wurden erneuert." Ob Michael sich vielleicht genau das gemerkt hat? Seine Mutter wird auch das erfahren, denn er wird sicher schon bald von dem ereignisreichen Ausflug erzählen.

© SZ vom 21.06.2017
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