bedeckt München

Hertzkammer:Funky Suppe

"Pho Queue" servieren Disco mit Club-Arrangements

Von Anna Weiss

Wie nahe Plattenspieler und Suppenteller beieinanderliegen können, zeigt sich am Münchner Trio Pho Queue. Denn die tragenden Säulen der Gruppe sind zum einen das Synthesizerspiel von Band-Mitglied Felix Kirner, der auch als DJ und Produzent unterwegs ist, zum anderen die traditionsreiche vietnamesische Suppe Pho - Legenden besagen, dass sich die Band beim Genuss einer solchen gegründet habe oder sich eben jene einmal die Woche einverleibe. Während die kulinarische Vorliebe eindeutig scheint, werden musikalisch zwei Geschmacksrichtungen verknüpft: Discosound und elektronische Musik, wie man sie in einem Club und nicht auf einem Album erwarten würde, dessen Cover von einer Suppenschüssel und pastellig-tropischem Artwork dominiert wird, wie es bei der Debütplatte "Sweet" von 2018 der Fall ist.

Die Nummer "Kryptonite" ist beispielhaft für den Sound der Band: Die ersten Klänge des Synthesizers wecken Erwartungen an einen reduzierten Instrumentaltrack, bis sie von einer wolkig-warmen Bassline ergänzt werden und sich schließlich eine von Ferdinand Kirner funkig gespielte Gitarre dazugesellt. Gepaart mit der vielseitigen Stimme von Adriano Prestel ergibt das einen modernen Sound, der auf eine frische Art und Weise retro klingt.

Prestel, der unter anderem im Soul zu Hause ist, bewegt sich mühelos in verschiedenen Tonhöhen und klettert etwa im Stück "Sweet" in flirrende Höhen, in denen sich auch Prince wohlgefühlt hätte.

Pho Queue haben dieses Jahr eine neue Single herausgebracht, "The Need", auch dort findet sich die Vorliebe für komplexe Song-Arrangements und Disco-Feeling wieder, allerdings ein wenig kantiger als auf "Sweet", das manchmal erstaunlich zuckrig klingt. Am Samstag präsentieren Pho Queue ihre gesammelten Werke im Import Export im Kreativquartier. Das Konzert findet am frühen Abend statt, für alle, die von den Klängen der Band nicht warm werden, geht sich danach locker noch eine Suppe aus.

Pho Queue, Samstag, 24. Oktober 18.30 Uhr, Import Export, Dachauer Straße 114

© SZ vom 22.10.2020
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