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Hertzkammer:Beatgemeinschaft

Das Münchner Label "Jazz & Milk" wird Fünfzehn

Von Martin Pfnür

Als Christoph Doepke das Vinyl-Label "Jazz & Milk" ins Leben rief, war das zunächst eher so etwas wie die Konsequenz aus einem Freundschaftsdienst. Zwar produzierte Doepke schon damals erste Tracks als Dusty - die Initialzündung für die Gründung seines Labels ging aber von seinem Freund Tim Schmitt aus. Der nämlich gestaltete für seine Abschlussarbeit als Grafikdesigner ein siebgedrucktes Plattencover, und was lag da näher, als dieses zum Anlass zu nehmen, eine Platte mit Dusty-Tracks zu veröffentlichen, die als "Jazz & Milk EP" den Namen des Labels vorwegnahm.

Durchaus artverwandt mit dem Ansatz des Londoner Labels "Ninja Tune" liegt auch bei den heute gut dreißig Veröffentlichungen der Fokus auf der Verbindung zwischen Tradition und Moderne, Handgemachtem und Synthetischem. Versatzstücke aus Jazz, Soul oder Afrobeat können hier ebenso mit dem Four-to-the-floor der House Music wie mit der synkopierten Rhythmik des Broken Beat zusammenfließen.

Kein Wunder also, dass auch die Compilation "Community - 15 Years of Jazz & Milk" das verbindende Moment dieser Musik betont und überdies ein Statement der Gemeinschaftlichkeit in einer Zeit setzt, in der "Rassismus, Gier und eine tödliche Pandemie unsere Fähigkeit, in Harmonie miteinander zu leben, gefährden", wie es im Presseschreiben heißt.

Da ist etwa der perkussiv geprägte Track des Südafrikaners Bongani GiveThanks, der mit erhebend verflochtenen Chants gegen geschlechtsspezifische Gewalt ansingt; der futuristische Soul des Briten Steve Spacek, der seine Stücke allein auf einem Smartphone produziert; oder auch die Electronica des ungarischen Produzenten Àbáse, dessen harscher Track "Fallen Statues" auf die Proteste der "Black Lives Matter"-Bewegung referiert. Das alte Wort von der Musik als etwas Heilendem, es mag sich vielleicht etwas abgenutzt haben. Im Hinblick auf diese Compilation wirkt es aktuell wie lange nicht mehr.

"Community - 15 Years of Jazz & Milk" ist via jazzandmilk.bandcamp.com erhältlich.

© SZ vom 27.11.2020
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