Hauptpreisträger:Liebe zur Lyrik

Hauptpreisträger: Zum Regenschirm hat die jungen Dichter Carl Spitzwegs Bild "Der arme Poet" inspiriert.

Zum Regenschirm hat die jungen Dichter Carl Spitzwegs Bild "Der arme Poet" inspiriert.

(Foto: Robert Haas)

Regenschirmpoeten reimen rhythmisch.

Rhythmus, Reim und Regenschirm - seit mehr als zwei Jahren entfalten zehn junge Autoren und Autorinnen aus Unterschleißheim ihr Faible für Sprache und Performance. Normalerweise zeigen die "Regenschirmpoeten", wie sie sich nennen, ihr lyrisches Können auf der Bühne. Wenn ein monatelanger Lockdown das verhindert, werden sie aber auch vor der Kamera kreativ - mit originell inszenierten Poetry-Clips. Ihre Leiterin Sophie Kompe, selbst Autorin, feuert sie dazu an.

Pate Christian Springer hatte sich die Videos der Gruppe im Netz angesehen und war besonders beeindruckt von Kompes Clip "Eiszeit". Darin steigt die 35-jährige Autorin mitten im Pandemie-Winter ins Wasser des Unterschleißheimer Sees. Das Ufer ist verschneit, auf der Oberfläche schwimmen Eisplatten, aber trotzdem geht Sophie Kompe immer weiter und taucht am Ende einschließlich ihrer Mütze unter. "Im Eiszeitalter ist alles zu, im Zoo vereinsamt das Känguru", hört man Kompes Stimme aus dem Off.

Ein Sinn für Inszenierung und Accessoires haben die Regenschirm-Poeten alle, denn sie sind nicht nur stille Lyrik-Genießer, sondern leben ihr Faible für Rhythmus und Sprachmelodie auch auf der Bühne aus: Performance ist ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses der zehnköpfigen Gruppe, was sie bei der Preisverleihung mit zwei Beiträgen auch wunderbar vorführten.

Die meisten der Mitglieder besuchen das Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymnasium oder haben gerade eben das Abitur gemacht. Da ihnen die letzten Monate der Pandemie wegen die Bühne verwehrt blieb, nutzte die Gruppe die Zeit, um sich ein neues Medium zu erschließen und Kurzfilme zu drehen, sogenannte Poetry-Clips, die immer donnerstags auf Youtube veröffentlicht wurden (https://diewortakrobaten.com/nachwuchs/), und in denen sie sich schöpferisch entfalteten.

Auf jeden Fall sind die 14- bis 19-Jährigen eine ganz besondere Gruppe, die bei allen Unterschieden ihre Liebe zur Lyrik und Sprache vereint. Das hat einen Tassilo-Kulturpreis verdient.

© SZ vom 03.07.2021 / SZ
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