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Guide:Vom Gipfel zum Fundament

Wo die Kunst auf dem "Sugar Mountain" ihren Platz hat

Laufsteg der Künste

Die große Halle der ehemaligen Betonfabrik soll das Herz des "Sugar Mountains" werden. Auch wenn sie ihre gesamte Wucht wohl erst entfalten kann, wenn die Pandemie als eingedämmt gilt und wenn wieder 2000 Menschen in einem Raum stehen, tanzen und schwitzen dürfen: Die Konstruktion in ihrem Inneren ist eine Schau. Sie verbindet Gerüstbau- und Bühnentechnik, ist freistehend und unabhängig von der Bestandsarchitektur. Sie führt auf Stegen wie über mehrere Catwalks zu immer neuen Ebenen. Diese "Super Structure" ist von zeitgenössischen Künstlern gestaltet und erschließt mit ihrem Wegesystem auf einer Grundhöhe von 60 Zentimetern dem Besucher verschiedene Flächen. So etwa den sieben Meter hohen Art Tower und die 200 Quadratmeter große Bühne mit eigener Tribüne. Die alte Industrie-Architektur wird zu einem Bühnenbild für alles, was darauf passiert. Zunächst ist die Halle für 200 Besucher limitiert, besagte Wege und Stege sind breit angelegt. Die Flexibilität bei der Nutzung der Halle für Veranstaltungen ist hoch. Sie soll es vor allem in Hinblick auf Hygiene- und Sicherheitsstandards sein.

Spielplatz der Kreativen

Die Architektur der Räume außerhalb der Halle wird von den Machern als "Creative Playground" aufgefasst, als Spielplatz der Kreativität also, und dementsprechend künstlerisch werden sie gestaltet. Die Flächen für Sport und Bewegung erhalten teils großflächige Bodenbemalungen. Der Bereich im Osten der Halle soll so zum begehbaren Kunstwerk und Street Ball Court werden. Über 500 Quadratmeter und sechs Säulen erstreckt sich der "Art Yard", der in Zusammenarbeit mit dem Münchner Künstler Gabe gestaltet werden soll. Den Basketball-Platz darauf wollen die Macher als Einladung an Jung und Alt verstanden wissen. Auf der riesigen Freitreppe am Ende des Courts sollen sie verweilen, um nicht nur die Pirouetten der Ballvirtuosen zu verfolgen, sondern auch architektonische und künstlerische Interventionen. Von der Freitribüne überblickt man große Teile des Areals. Unterstützt wird der nicht allzu puristische Umgang mit dem Thema Basketball durch "Hoop Trees": Bei derlei Hüpfbäumen sind mehrere Körbe auf unterschiedlichen Höhen montiert.

Wände der Maler

Die Wände im Außenbereich könnten zur Idee einer klassischen Hall of Fame für Graffiti-Künstler verleiten. Doch an die Stelle einer solchen Ruhmeshalle sollen "Pop Up Walls" treten, Plakat-Wände, die in regelmäßigen Abständen von zeitgenössischen Künstlern immer wieder anders gestaltet und neu plakatiert werden. Verschiedene Disziplinen sollen dabei zum Zuge kommen: Illustration, Typografie, Design, Collage und Malerei. So werden die Pop Up Walls zur Ausstellungsreihe und einer Walk-by-Galerie.

Landschaft für Street Art

Der Bereich für die Skater wird als Stadtlandschaft inszeniert, also als eine zusammenhängende Fläche mit Hügeln und Hängen, mit Kanten und Vorsprüngen. Motive verschiedener Tattoo-Meister sollen sie zusätzlich mit Kunst überziehen und so eine Art - auch für Nicht-Skater - begehbare Skulptur daraus machen. Ein ähnliches Verfahren ist für die Ping-Pong-Tische geplant, deren Oberflächen Street-Art-Künstler bearbeiten werden.

Skulpturen des Lebens

Hier ist jede Menge Raum für "Inflatables", also aufblasbare Objekte, interaktive Installationen, begehbare Skulpturen und morphende Projektionen. Die Macher subsumieren das unter dem Begriff Living Sculptures. Sie sollen mit der monumentalen Größe der Umgebung auf dem Gelände spielen und den Betrachter automatisch in ein Verhältnis dazu setzen.

Mehr über die Pläne und den aktuellen Stand des Projekts ist auf der Homepage zu finden, die an diesem Samstag online geht: www.this-is-really-happening.org

© SZ vom 06.03.2021 / HER
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