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Geschichte:Museum im Olympiapark

Christine Strobl schlägt eine historische Ausstellung vor

Am Sonntag ist Christine Strobl (SPD) mal wieder über das Olympiagelände flaniert. Das Wetter war schön, es waren viele Touristen unterwegs, überhaupt ist es ziemlich voll gewesen. Und trotzdem, sagt Strobl, habe sie das Gefühl gehabt, "dass da etwas fehlt" im Olympiapark. Was genau ihr dort fehlt, wird sie bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der Olympiapark GmbH ansprechen, dessen Mitglied sie ist. Dann nämlich, Ende Juni, wird sie dem Gremium vorschlagen, ein Olympia-Museum zu gründen. Es ist eine Idee, "die ich schon länger habe", sagt Münchens Dritte Bürgermeisterin. Die Idee für ein Museum, in dem es "nicht nur darum geht, wer welche Medaillen gewonnen hat", sondern eine Ausstellung, welche die Geschichte des Olympiaparks "in einen größeren Kontext einbettet".

Nach Strobls Vorstellungen soll es im Olympia-Museum also nicht nur um die Erinnerung an die Wettkämpfe von 1972 gehen, sondern auch um die Frage, inwieweit das Olympia-Gelände nicht nur die Architektur Münchens, sondern die ganze Stadtentwicklung verändert hat. "Für jemanden, der das nicht live erlebt hat", sagt Strobl, "ist das ja heute gar nicht mehr so klar". Zum Inhalt der Ausstellung müsse außerdem "der abrupte Bruch dieser heiteren Spiele durch die Attentate" gehören, bei denen damals elf israelische Sportler von palästinensischen Terroristen getötet wurden. Auch über den genauen Ort des Museums hat Strobl sich schon Gedanken gemacht. Sie hält das Zwischengeschoss unter der Haupttribüne des Olympiastadions für gut geeignet. Zumal deshalb, weil der Stadtrat im Januar beschlossen hat, das Stadion für fast 80 Millionen Euro zu sanieren und man die Museumsidee nun "gleich mit in die Planung einbeziehen könnte", sagt Strobl.

In einem Gespräch mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) habe sie bereits "positive Resonanzen" auf ihren Vorschlag bekommen, sagt die Bürgermeisterin. Auch Olympiapark-Geschäftsführer Arno Hartung gefällt die Idee, er schlägt vor, in die Ausstellung auch das Rockmuseum zu integrieren, das bisher noch im Olympiaturm untergebracht ist. So könnte das Olympia-Museum neben den Themen Sport und Architektur auch das Thema Musik abdecken und an die großen Konzerte und Festivals erinnern, die in den vergangenen Jahrzehnten im Olympiapark stattgefunden haben. "Das könnte man sich überlegen", sagt Strobl.

Ein Ersatz für das geplante Mahnmal für die Opfer des Olympia-Attentats soll das Museum allerdings nicht sein. Für den Freistaat, sagt Strobl, sei es wichtig, "dass es eine Sichtbeziehung zur Conollystraße gibt", wo 1972 der Anschlag der palästinensischen Terroristen seinen Ausgang nahm. Weil es diesen Blickkontakt vom Zwischengeschoss des Olympiastadions aus nicht gibt, könne das dortige Museum nur ein ergänzender Ort sein, der "noch intensiver auf die Abläufe des Attentats eingehen" könnte.

Und noch eine Hoffnung verknüpft Bürgermeisterin Strobl mit ihrer Museumsidee. Die Hoffnung nämlich, dass die Olympia-Macher ein wenig abrücken von der Kommerzialisierung der Spiele. Vielleicht, sagt Strobl, sei der Besuch im Münchner Olympia-Museum und die Erinnerung an "diese heiteren, freundlichen Spiele" von 1972 für den ein oder anderen ein Anstoß, um "im Sinne des Sports wieder umzudenken".

© SZ vom 21.04.2015
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