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Geschäftsideen nur für Frauen:Auch Männer kommen zur Frauen-Computer-Schule

Auch an der Frauen-Computer-Schule nehmen immer wieder Männer an Kursen teil, jeder sei willkommen, betont Sabine Langer. An der Ausrichtung, speziell weibliche Bedürfnisse nach einer entspannten, angstfreien und persönlichen Atmosphäre zu bedienen, wolle man aber festhalten. Auch, weil das Konzept nun schon seit 25 Jahren Anklang in allen Altersgruppen findet. "Hausfrauen und Mütter, die wieder in den Beruf starten, kommen ebenso zu uns wie junge Frauen, die sich mit dem Kurs für eine Ausbildung qualifizieren wollen", sagt Langer. "Und natürlich bieten wir auch Seniorenkurse an. Viele Teilnehmer kennen uns noch aus unseren Anfangstagen und kommen regelmäßig wieder."

Die Zeiten der reinen Grundlagenkurse seien längst vorbei. "Unsere Teilnehmerinnen wollen vertiefende Kenntnisse erwerben oder bereits Gelerntes auffrischen", sagt Langer. Der Kurs zum "PC-Führerschein", mit dem die FCS in ihren Anfangstagen die Grundlagen des Windows-basierten Betriebssystems vermittelte, wurde mittlerweile eingestellt. Selbst 70-Jährige interessierten sich in Kursen heute eher für die Bedienung eines iPads als für MS Office. Es scheint: Münchens Frauen erschließen sich im Privaten alle Lebensbereiche.

Um die Situation der Frauen im öffentlichen Raum kümmern sich in München Cony Lohmeier und ihre Kolleginnen. In der Gleichstellungsstelle für Frauen im Rathaus beraten sie Vereine, Privatpersonen und städtisch Beschäftigte zu genderrelevanten Fragen. Besonders nach Trennungen oder Scheidungen kämen viele Frauen zu ihr, sagt Lohmeier. Auch die Wohnungsproblematik sei vor allem für Frauen ein drängendes Thema, ebenso Bedrohungen und Gewalt.

Einen Frauenbadetag gibt es nur im Müller'schen Volksbad

Über ihre Beratungstätigkeit hinaus gehen die Mitarbeiter der Gleichstellungsstelle mit wichtigen Anliegen auf den Stadtrat zu. Lohmeier ist stellvertretende Leiterin der Gleichstellungsstelle, bereits seit zehn Jahren ist sie für die Stadt in diesem Bereich tätig. Als großen Erfolg ihrer Arbeit werte sie das deutlich gewachsene Bewusstsein für Gender-Aspekte in der Verwaltung, sagt Lohmeier: Die Ausschreibungsrichtlinien der Stadt sind geschlechtsneutral formuliert und beziehen sich ausschließlich auf die Eignung der Bewerber, nicht auf ihr Geschlecht. Städtische Mitarbeiter, die Personal auswählen, lernen in Schulungen, wie wichtig es ist, Vorurteile zu reflektieren. Und Bewerber müssen in Gesprächen Gender-Kompetenz beweisen.

"Die Lebenswirklichkeit der Frauen sieht man nur, wenn man die Genderbrille aufsetzt", sagt Lohmeier. Wer Einkaufsmöglichkeiten, sichere Verkehrswege und eine gute Verkehrsanbindung bei stadtplanerischen Fragen nicht berücksichtige, ignoriere die Bedürfnisse der weiblichen Bevölkerung - in München sind das immerhin rund 746 000 Frauen (Stand: Dezember 2013) -, für die solche Aspekte nach wie vor eine deutlich größere Relevanz hätten als für Männer.

Verbesserungsbedarf in München gibt es aus Sicht von Cony Lohmeier etwa im Bäderbetrieb: "Einen Frauenbadetag gibt es derzeit nur im Müller'schen Volksbad, und das auch nur einmal pro Woche für ein paar Stunden." Für allein oder mit Kindern in München ankommende Flüchtlinge wünscht sich Lohmeier eine bessere Unterbringung. Und in den Sozialdiensten fehle es an ausreichend gut ausgebildeten Mitarbeitern, die Frauen mit Gewalterfahrung eine Erstberatung bieten können.

Insgesamt genieße München aber bundesweit einen sehr guten Ruf, sagt Lohmeier. "Unter den Kommunen liegt München mit seiner Frauensituation sehr weit vorn."

© SZ vom 25.08.2014/tba

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