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Geschäftsideen nur für Frauen:Männer sollen draußen bleiben

Frauen als Zielgruppe: spektakuläre Werbe-Installation auf dem Areal einer Werbeagentur in der Münchner Sandstraße.

(Foto: Robert Haas)

Eine Computer-Schule für Frauen, eine Fahrschule mit rosa Logo, ein Hotel mit einem "Ladies Executive Floor": In München entstehen Geschäftsideen, die sich speziell an weibliche Kunden richten. Aus Sicht der Stadt gibt es auf dem Feld aber noch einiges zu tun.

Von Anne Kostrzewa

Was ein Computer und eine Waschmaschine gemeinsam haben? "Beides sind Maschinen, die man nicht lieben, sondern bedienen muss", sagt Sabine Langer von der Frauen-Computer-Schule (FCS) in Neuhausen. "Frauen wollen meist nicht so genau wissen, warum etwas funktioniert, sondern wie." Damit beschreibt Langer ein Phänomen, das gerade Männer auf vielfältige Bereiche des täglichen Lebens zu übertragen wissen: Frauen und Autos, Frauen und Werkzeug, Frauen und Mathematik. Was sich aus gängigen Vorurteilen speist, öffnet in München zunehmend einen Markt für eine Vielzahl von Angeboten, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet sind - von der Fahrschule bis zum Hotelzimmer.

"Gerade vor Programmen wie Excel haben viele Frauen großen Respekt, weil das mit Rechnen zu tun hat", sagt Sabine Langer von der FCS. Ein wesentliches Ziel der Kurse, die ausschließlich von Frauen geleitet werden, sei es zu vermitteln, dass Technik kein unüberwindbares Hindernis darstellt. "Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der Frauen sich trauen, Fragen zu stellen, ohne Angst haben zu müssen, sich zu blamieren", erklärt Langer.

Eine Fahrschule nur für Frauen

An diesem Punkt setzt auch die Fahrschule "Pro-Frau" in Nymphenburg an. Als erste Fahrschule der Stadt richtet sie sich mit ihrem Ausbildungsangebot ausschließlich an Frauen, stilecht mit einem rosa Firmenlogo auf den Fahrschulwagen, das das Konzept zusätzlich verdeutlicht: Männer sollen draußen bleiben.

So weit geht das Relexa Hotel München nicht. Hier sind auch männliche Übernachtungsgäste willkommen. Mit einem speziellen Angebot will das Hotel von Dezember an aber verstärkt auf Frauen setzen: Dann soll im Gebäude an der Schwanthalerstraße der erste "Ladies Executive Floor" der Stadt eröffnet werden, ein Stockwerk extra für Frauen. Den 13 Räumen habe sie bei der Gestaltung einen "femininen Touch verliehen, wie ihn Frauen mögen", meint Hoteldirektorin Edeltraud Ulbing. "Viele Hotelzimmer sind sehr maskulin eingerichtet, mit kantigen Möbeln und kühlen Farben." Auf dem geplanten Damen-Stockwerk ihres Hotels soll es anders werden: "Wir arbeiten mit warmen, beruhigenden und eleganten Farben sowie gut aufeinander abgestimmten Materialien", so Ulbing.

Die Idee für den Ladies Executive Floor kam der Hoteldirektorin in Asien. "Dort ist es ganz normal, dass Hotels spezielle Etagen nur für Frauen haben", sagt sie. Während in Asien vor allem Sicherheit eine Rolle spiele, gehe es in ihrem Hotel aber auch um andere weibliche Bedürfnisse. "Frauen freuen sich besonders über eine schöne Einrichtung und kleine Details, die ein Zuhause-Gefühl erzeugen", sagt Ulbing. Deshalb sollen in jedem Damen-Zimmer frisches Obst, Mineralwasser und eine Yogamatte zur Ausstattung gehören, außerdem diverse Zeitschriften, Wellnessprodukte - was Frauen eben gern haben.

Dass im Frauenstockwerk des Hotels auch Männer werden übernachten können, hat laut Ulbing vor allem einen juristischen Hintergrund: "Ein Hotel in Kopenhagen hat ein ähnliches Konzept umgesetzt, es allerdings ausschließlich für Frauen zugänglich gemacht. Jetzt haben sie dort Klagen und Unterlassungen wegen Diskriminierung von Männern am Hals."

Auch Männer kommen zur Frauen-Computer-Schule

Auch an der Frauen-Computer-Schule nehmen immer wieder Männer an Kursen teil, jeder sei willkommen, betont Sabine Langer. An der Ausrichtung, speziell weibliche Bedürfnisse nach einer entspannten, angstfreien und persönlichen Atmosphäre zu bedienen, wolle man aber festhalten. Auch, weil das Konzept nun schon seit 25 Jahren Anklang in allen Altersgruppen findet. "Hausfrauen und Mütter, die wieder in den Beruf starten, kommen ebenso zu uns wie junge Frauen, die sich mit dem Kurs für eine Ausbildung qualifizieren wollen", sagt Langer. "Und natürlich bieten wir auch Seniorenkurse an. Viele Teilnehmer kennen uns noch aus unseren Anfangstagen und kommen regelmäßig wieder."

Die Zeiten der reinen Grundlagenkurse seien längst vorbei. "Unsere Teilnehmerinnen wollen vertiefende Kenntnisse erwerben oder bereits Gelerntes auffrischen", sagt Langer. Der Kurs zum "PC-Führerschein", mit dem die FCS in ihren Anfangstagen die Grundlagen des Windows-basierten Betriebssystems vermittelte, wurde mittlerweile eingestellt. Selbst 70-Jährige interessierten sich in Kursen heute eher für die Bedienung eines iPads als für MS Office. Es scheint: Münchens Frauen erschließen sich im Privaten alle Lebensbereiche.

Um die Situation der Frauen im öffentlichen Raum kümmern sich in München Cony Lohmeier und ihre Kolleginnen. In der Gleichstellungsstelle für Frauen im Rathaus beraten sie Vereine, Privatpersonen und städtisch Beschäftigte zu genderrelevanten Fragen. Besonders nach Trennungen oder Scheidungen kämen viele Frauen zu ihr, sagt Lohmeier. Auch die Wohnungsproblematik sei vor allem für Frauen ein drängendes Thema, ebenso Bedrohungen und Gewalt.

Einen Frauenbadetag gibt es nur im Müller'schen Volksbad

Über ihre Beratungstätigkeit hinaus gehen die Mitarbeiter der Gleichstellungsstelle mit wichtigen Anliegen auf den Stadtrat zu. Lohmeier ist stellvertretende Leiterin der Gleichstellungsstelle, bereits seit zehn Jahren ist sie für die Stadt in diesem Bereich tätig. Als großen Erfolg ihrer Arbeit werte sie das deutlich gewachsene Bewusstsein für Gender-Aspekte in der Verwaltung, sagt Lohmeier: Die Ausschreibungsrichtlinien der Stadt sind geschlechtsneutral formuliert und beziehen sich ausschließlich auf die Eignung der Bewerber, nicht auf ihr Geschlecht. Städtische Mitarbeiter, die Personal auswählen, lernen in Schulungen, wie wichtig es ist, Vorurteile zu reflektieren. Und Bewerber müssen in Gesprächen Gender-Kompetenz beweisen.

"Die Lebenswirklichkeit der Frauen sieht man nur, wenn man die Genderbrille aufsetzt", sagt Lohmeier. Wer Einkaufsmöglichkeiten, sichere Verkehrswege und eine gute Verkehrsanbindung bei stadtplanerischen Fragen nicht berücksichtige, ignoriere die Bedürfnisse der weiblichen Bevölkerung - in München sind das immerhin rund 746 000 Frauen (Stand: Dezember 2013) -, für die solche Aspekte nach wie vor eine deutlich größere Relevanz hätten als für Männer.

Verbesserungsbedarf in München gibt es aus Sicht von Cony Lohmeier etwa im Bäderbetrieb: "Einen Frauenbadetag gibt es derzeit nur im Müller'schen Volksbad, und das auch nur einmal pro Woche für ein paar Stunden." Für allein oder mit Kindern in München ankommende Flüchtlinge wünscht sich Lohmeier eine bessere Unterbringung. Und in den Sozialdiensten fehle es an ausreichend gut ausgebildeten Mitarbeitern, die Frauen mit Gewalterfahrung eine Erstberatung bieten können.

Insgesamt genieße München aber bundesweit einen sehr guten Ruf, sagt Lohmeier. "Unter den Kommunen liegt München mit seiner Frauensituation sehr weit vorn."

© SZ vom 25.08.2014/tba

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