Fußball Rassismus auf dem Rasen

Huber streckt den rechten Arm aus, nach hinten und zur Seite, legt ihn auf die Rückenlehne seiner Bank. Wenn er von seinem Leben spricht, fällt häufig das Wort ,,bikulturell''. Er kenne sich eben in beiden Kulturkreisen sehr gut aus. Genau deshalb könne er den farbigen Spielern in Deutschland helfen.

,,In dieser Hinsicht bin ich ein Psychologe, und zwar der beste.'' Die psychische Stabilität eines andersfarbigen Fußballers könne nur er verbessern. Das schaffe kein Psychologe.

Thomas Graw, Sportpsychologe des VfL Bochum und Ansprechpartner für Mitglieder der Vereinigung deutscher Vertragsfußballspieler (VDV), sieht das etwas anders. Der 41-Jährige begrüßt zwar Hubers Idee einer Beratungsagentur. Die Problematik der diskriminierten farbigen Spieler sei ja offensichtlich. Und Lösungen für das Thema hat auch der VDV. ,,Wir versuchen, über Fanprojekte Aufklärung zu erreichen'', sagt Graw. Allerdings traut er sich und seiner Zunft durchaus auch zu, auf der anderen Seite zu helfen und für farbige Spieler mentale Hilfestellung zu leisten. Als Psychologe des VDV ist er für alle Spieler in Deutschland zuständig. Sein Problem: Es komme nie jemand auf ihn zu.

Vielleicht kommt ja jemand auf Huber zu. Vielleicht gerade jetzt. Die Anfeindungen gegenüber farbigen Spielern nehmen zu. Auch Nationalspieler Gerald Asamoah vom Bundesligisten FC Schalke 04 musste darunter leiden. Er wurde bei einem Pokalspiel mit Affenrufen begrüßt, Ogungbure vom FC Sachsen Leipzig wird in der Oberliga Nordost permanent angefeindet. Das hat Folgen für die Spieler. Sie leiden unter den Schmähungen.

Manche Folgen sind offensichtlich. Man sieht sie auf dem Platz. Denn die Leistung der Spieler leidet auch darunter. Für den Kölner Sportpsychologen Lothar Linz, Betreuer verschiedener Mannschaftssportarten, eine logische Konsequenz: ,,Ein Teil der Aufmerksamkeit des Spielers richtet sich auf das, was von außen kommt: die Anfeindungen. Dieser Teil der Konzentration fehlt dem Spieler dann auf dem Platz. Er macht mehr Fehler.'' Außerdem sind die Spieler oft durch rassistische Schmähungen emotional stark aufgewühlt, sagt der 41-Jährige. Das Ergebnis sei Aggression oder Angst. Beides schadet dem eigenen Spiel.

Solche Vorfälle scheinen sich seit der WM im Sommer zu häufen. Deshalb legt Huber jetzt los. Schon in der kommenden Woche wird er an alle Bundesligavereine, die farbige Spieler in ihrem Kader haben, schreiben und seine Beratung anbieten. ,,Ich bin nicht zögerlich, stehe dann bereit für Anfragen'', sagt er.

Die Beratung könnte so aussehen, dass Huber maximal alle zwei Wochen einen Spieler für ein Gespräch aufsucht. Allerdings wolle er permanent am Telefon zur Verfügung stehen. Durch seine Bekanntheit und Herkunft hofft er, schnell eine Vertrauensbasis herstellen zu können. Nur wenn die Spieler von ihren Problemen erzählten, könne man ihnen helfen.

Vom Erfolg überzeugt

Hubers Ziel ist es, dass Spieler mit Anfeindungen souverän umgehen, im besten Fall nicht mehr darauf reagieren. ,,Was mache ich, wenn mir jemand eine Banane hinwirft? Ich hebe sie auf und esse sie.'' Ließen sich Spieler nicht mehr provozieren, liefe die Aggression ins Leere und werde irgendwann aufhören, ist seine Theorie.

Er spricht ruhig und langsam. Ab und zu wirft er einen kurzen Blick in seine Aufzeichnungen. Er klingt von seiner Idee überzeugt. ,,Alles, was ich bisher in die Hand genommen habe, war erfolgreich'', sagt er, und fügt dann lachend hinzu: ,,Nur der Abstecher in die Gastronomie hat nicht funktioniert.'' Zunächst will er die Agentur allein stemmen, hofft aber, dass er bald Hilfe braucht. Sein Projekt werde sich herumsprechen und ihm so auch Mitarbeiter bescheren.

Der Deutsche Fußballbund hat auch wegen der ständigen Diskriminierung farbiger Spieler eine Task Force eingerichtet. Vereinen, deren Fans mit rassistischen Parolen auffallen, drohen Geldstrafen, Spiele vor leeren Rängen, Punktabzüge. Huber will bei den Spielern ansetzen: ,,Jeder, dem ich das erzähle, ist dabei.'' Vielleicht auch bald Ogungbure.