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Zehn Jahre Stadterhebung Olching:Ein bisserl urbaner

Die Hauptstraße in Olching gilt als besonders attraktive Einkaufsstraße mit vielen Fachgeschäften. Das städtische Flair ist im Zentrum besonders ausgeprägt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Bedeutung der Kommune mit 28 000 Einwohnern ist gestiegen, seit sie nicht mehr nur Gemeinde ist. Auf das Selbstbewusstsein und die völlig unterschiedlichen Charaktere der Stadtteile von ländlich bis weltläufig hat sich das im vergangenen Jahrzehnt durchaus positiv ausgewirkt

Von Erich C. Setzwein, Olching

Als Josef Albert Schmid mit seinem Konzept für eine neue FFB-Schau nach Olching kam, sprach er über seine Pläne vor dem Gemeinderat. Schmid ist erfolgreicher Veranstalter von Regionalmessen in Bayern und Baden-Württemberg und gewohnt, in Städten die Messehallen aufzubauen. Deshalb habe ihn schon 2009 gewundert, warum ein Ort mit gut 25 000 Einwohnern "nur" eine Gemeinde ist. Schmid, der dann im Oktober 2010 die Tradition der vorher immer in Fürstenfeldbruck abgehaltenen FFB-Schau auf dem Olchinger Volksfestplatz fortsetzte, führt das auf das "Understatement der Orte am Stadtrand von München" zurück. Gröbenzell ist für ihn das beste Beispiel. In der Gemeinde, die wie Puchheim bereits den Stadttitel tragen könnte, hätten ihn die Bürgerinnen und Bürger abgelehnt. In Olching, der dritten Anwärterin auf die Stadterhebungsinitiative von 2009/2010 hat man sich auf diesen Titel gefreut und ist heute stolz darauf, ihn zu tragen. Wobei: "Es ist doch schon selbstverständlich geworden, dass wir Stadt sind", sagt Bürgermeister Andreas Magg (SPD). Er war damals in seiner ersten Amtszeit und ist sich bis heute sicher, dass das Motto von damals "Gemeinsam Stadt sein" eine stärkere Bedeutung bekommen hat.

Das liegt, wie befragte Olchinger einmütig bestätigen, an den Menschen in Olching. Die haben sich entweder eher zurückhaltend, aber auch mit einiger Vorfreude auf die Stadterhebung vorbereitet und diese Freude dann auch laut kundgetan, als Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit der Urkunde für den Stadttitel nach Olching kam. "Es war unglaublich", erinnert sich Harald Sauer, der Pfarrer der Olchinger Johanneskirche, der im Juni 2011 zusammen mit dem katholischen Pater Werner bei dem Festakt die Kirchen vertrat. Fast 2000 Menschen bejubelten Herrmann und hörten, wie der Innenminister an Landrat Thomas Karmasin (CSU) die Worte richtete, er, der Landrat, werde schon noch erleben, welches Selbstbewusstsein Olching entwickeln werde. Karmasin hatte vorher angemerkt, durch den Stadttitel verändere sich für Olching juristisch nichts.

Olching ist seit dem 19. Juni 2011 die 317. Stadt in Bayern, die 50. in Oberbayern und mit mittlerweile gut 28 000 Einwohnern die drittgrößte im Landkreis. "Die Bedeutung Olchings war noch nie so groß wie jetzt", lautet die Wertung von Nadine Klinder. Man würde von der Leiterin des Stadtmarketings eigentlich keine andere Aussage erwarten, aber Klinder ist in der Gemeinde Olching aufgewachsen und als Marketingexpertin in die Stadt zurückgekehrt. Der Stadtgedanke, so Klinder, werde von den Geschäftsleuten wie von den Vereinen getragen. "Man kennt sich und ist in allem unglaublich nah dran." Den Eindruck teilt auch Messe-Organisator Schmid, der sich auf die nächste FFB-Schau 2022 in der Stadt schon freut.

"Es hat sich formal nichts geändert", stellt der Sprecher der Agenda 21, Peter Wehrle, fest. Aber die Olchinger sähen den Titel als positiv an, und es gebe Möglichkeiten, die es vorher so nicht gegeben habe. Wehrle gehört der lokalen Agenda-Gruppe seit 1997 an und hat die Stadtwerdung genau verfolgt. Man könne sich wie vorher auch direkt an den Bürgermeister wenden und "in manchen Dingen ist man immer noch Dorf", sagt Wehrle.

Das wiederum schätzt Josef Steindlmüller, Leiter des katholischen Pfarrverbandes, sehr an der Stadt. Dass sich die Vielfalt in den Stadtteilen erhalten habe, dass Esting einen anderen Charakter habe als Geiselbullach oder Olching. "Es ist bunt und spannend", sagt der katholische Seelsorger, der seit sieben Jahren in Olching tätig ist. Steindlmüller freut sich darüber, in der Stadt 12 000 Katholiken betreuen zu dürfen, zwei Gottesdienstorte und mit der Kirche Sankt Stephanus in Esting das mit etwa 800 Jahren älteste erhaltene Gebäude der Stadt.

Für Andreas Magg, der Stadtgeografie studiert hat, macht die Stadtgesellschaft aus, wie sie sich in besonderen Situationen verhält. Als Beispiele er die Integration der Flüchtlinge und die Langmut, die die Olchinger in der Pandemie bewiesen haben. "Weite Teile der Bevölkerung sehen das Ganze souverän und unaufgeregt."

© SZ vom 19.06.2021
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