Wahl Kampf um die Aufmerksamkeit

Peter Falk (v.l.) und Christian Winkelmeier wollen für die SPD in den Landtag. Christian Gruber trafen sie beim Sommersfest des Ortsvereins Germering.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Beim Sommerfest der SPD Germering geht es um die Themen, mit denen sich Wähler gewinnen ließen

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Die Wahlaussichten der SPD für die kommende Landtagswahl am 14. Oktober sind nicht gerade günstig. Zwölf Prozent in den Umfragen und abgerutscht an die vierte Stelle in Bayern drücken spürbar auf die Moral der Genossen. Die Landkreis-Direktkandidaten Peter Falk und Christian Winklmeier verbreiten beim Sommerfest der Germeringer SPD dennoch möglichst Zuversicht. Das ist nicht einfach, weil doch immer wieder kritische Fragen der etwa 40 anwesenden Mitglieder und Freunde der Partei auftauchen. Winklmeier, 27, ist mit einem roten Fahrrad gekommen. "Der Rote Biker" steht auf den Satteltaschen und "hier radelt der Winklmeier, Ihr Landtagskandidat."

So viel Sportlichkeit hat Peter Falk, 54, nicht zu bieten. Dafür ist der Richter am Landgericht München I bei den Plakaten schon weit vorne. Seit einigen Tagen hängen sie in den Kommunen des östlichen Landkreises, wo der Gröbenzeller Gemeinde- und Kreisrat im Stimmkreis Fürstenfeldbruck-Ost kandidiert. Falk und auch Winklmeier warten auf die heiße Phase, auf den Endspurt, der sie und ihre Partei in der Gunst der Wähler wieder auf den angestammten zweiten Platz hinter der CSU bringt. "Es geht jetzt in den Kampf um Aufmerksamkeit", sagt Winklmeier, der in Gilching wohnt und dort Gemeinderat und SPD-Vorsitzender ist. Er kandidiert für den Landtag im Stimmkreis Landsberg/Fürstenfeldbruck-West.

2017 wollte er laufend in den Bundestag, jetzt ist Winklmeier mit dem Fahrrad unterwegs. Am kommenden Sonntag unterstützt ihn SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen bei einer Veranstaltung in Kaufering. Als das Gespräch am Tisch auf Kohnen kommt, verbreitet sich Skepsis. Tenor: Ganz nett, aber es kommt zu wenig von ihr. "Wenn Leute etwas zu sagen haben, dringen sie auch in den Medien durch", sagt Harald Müller, 77, der seit 60 Jahren SPD-Mitglied ist. Das SPD-Spitzenpersonal kommt Müller noch zu schläfrig rüber. "Die Chancen bei einer schwächelnden CSU etwas zu erreichen, waren noch nie besser", wirft ein SPD-ler am Nebentisch ein und empfiehlt nachdrücklich "Zurückhaltung und gebremsten Schaum" aus vermeintlicher Rücksicht auf die Koalition in Berlin aufzugeben. Falk und Winklmeier wollen CSU-Ministerpräsident Markus Söder beim Thema bezahlbaren Wohnraum packen. "Die CSU verhökert die Grundstücke des Freistaates immer meistbietend", kritisiert Winklmeier. So könnten keine bezahlbaren Mietwohnungen entstehen.

"Wir müssen uns für den 'Spurwechsel' stark machen", fordert Klaus-Peter Müller, der ehemalige Germeringer SPD-Vorsitzende zur Profilschärfung der Partei. "Das finde ich wahnsinnig wichtig." Die Firmen schrien nach Arbeitskräften, da müssten geduldete Asylbewerber, die im Betrieb integriert sind, dort bleiben können und nicht abgeschoben werden. Hier müssten laut Müller auch die IHK und die Handwerkskammer Druck machen. Fleisch und Wurst vom "Grillmeister" Robert Baumgartner, dem SPD-Fraktionssprecher im Stadtrat, wird inzwischen mit einem Bier beim Reden genossen. Apropos Profilierung. Bei der Kreuzpflicht-Kampagne hätte die SPD unbedingt lauter reagieren müssen, wirft ein Genosse noch in die Debatte ein. "Der Kardinal Marx war doch auch dagegen."