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Vielseitiges Angebot:Caritas schließt Cafeteria im Landratsamt

Geschlossen ist die Cafeteria im Landratsamt Fürstenfeldbruck seit Beginn der Pandemie. Die Caritas stellt den Betrieb nun endgültig ein.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Das Sozialprojekt mit Mitarbeitern aus der Werkstatt für Behinderte kann sich in der Corona-Krise wirtschaftlich nicht mehr halten

Von Christian Hufnagel, Fürstenfeldbruck

Pressesprecherin Ines Roellecke gerät unwillkürlich ins Schwärmen. Sie spricht von einem "sehr schönen und vielseitigen Angebot", zählt belegte Semmeln, Salate, Smoothies auf und hebt besonders den "exzellenten" Käsekuchen mit Orangen hervor. Aber angesichts der traurigen Neuigkeit weicht ihre Begeisterung schnell der Wehmut. Seit Jahren sei die Runde der Abteilungsleiter nach dem Mittagessen in der Kantine auf einen Kaffee dort gewesen, wirklich eine schöne Tradition, die nun endgültig vorbei sei, bedauert die Büroleiterin des Landrats. Zu Ende geht nämlich die Zeit, in der die Caritas, genauer gesagt die Brucker Werkstatt für Menschen mit Behinderung, die Cafeteria in der Kreisbehörde betrieben hat.

Nach 17 Jahren sei Ende September Schluss, heißt es in einer Pressemitteilung des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising. Die Gründe: "Ausschlaggebend waren die durch die Corona-Krise ausgelösten finanziellen Unwägbarkeiten durch die aktuell eingeschränkten Bewirtschaftungsmöglichkeiten und die durch den notwendigen Infektionsschutz erhöhten Kosten."

Das Sozialprojekt war im Oktober 2003 gestartet, mit einer "sehr geringen Pacht", so Roellecke. Gerade auf menschlicher Ebene bezeichnet die Caritas den Café-Betrieb als "Win-win-Situation" für beide Seiten: Menschen mit Behinderung hätten die Möglichkeit erhalten, wirtschaftliche Abläufe von der Planung bis zum Verkauf praktisch zu trainieren und fit für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu werden. Gerade diesen Aspekt betont auch die Pressesprecherin des Landratsamtes aus ihrer Erfahrung als Stammgast: Es sei schön gewesen mitzuerleben, wie die Mitarbeiter sich im Laufe der Zeit entwickelt hätten. Was die Besucher kulinarisch an Gewinn hatten, hebt die Caritas hervor: der Genuss von selbstgemachten Brotzeiten und Kuchen.

Dass dieses "tolle Projekt der Teilhabe" für Menschen mit Behinderung nicht mehr weiterlaufen könne, bedauert auch Wolfgang Holmer, Leiter der Brucker Werkstatt: "Die Entscheidung fiel uns wahrlich nicht leicht." Doch die wirtschaftliche Situation der Cafeteria habe letztendlich keine andere Wahl gelassen. Zudem werde das Personal in den anderen Bereichen der Einrichtung benötigt, da nur so die Betreuung möglichst vieler Beschäftigter in den Werkstätten unter Einhaltung der aktuellen Hygieneanforderungen gewährleistet sei. Die Einrichtung bietet 200 Menschen mit Behinderung Berufsbildungs- und Arbeitsplätze an - in der Cafeteria des Landratsamtes aber schon seit Beginn der Pandemie nicht mehr. Diese ist seither geschlossen. Und wird es bis Ende September auch bleiben.

Denn es sei ganz schwierig, das kleine Café mit den derzeit geltenden notwendigen Abstandsregelungen "sinnig" zu betreiben, ergänzt Gabriele Freitag, die stellvertretende Einrichtungsleiterin. Von den vier Tischen blieben nur zwei übrig, die besetzt werden könnten, veranschaulicht sie das wirtschaftliche Dilemma. Was sich bei den Folgen für das Personal fortsetzt: Die eineinhalb Mitarbeiter-Stellen und fünf Beschäftigten aus der Brucker Werkstatt im Normalbetrieb müssten wegen der Corona-Schutzmaßnahmen auf je einen reduziert werden.

Die Kreisbehörde wird nun einen neuen Betreiber suchen. Die Ausschreibung erfolge demnächst, sagt Roellecke. Möglich sei natürlich auch ein privater Gastronom. Allerdings stelle sich die Frage, "wie viele Besucher es benötig, dass sich die Cafeteria im Landratsamt für einen privaten Betreiber auch trägt

© SZ vom 06.08.2020

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